LOGBUCH • 27.04. -18.05.2026

  • 27.05 Donnerstag – Coburg – München

    27.05 Donnerstag – Coburg – München

    Die Reise beginnt für jede und jeden ein wenig anders. Aus unterschiedlichen Richtungen und auf unterschiedlichen Wegen geht es zunächst zum Flughafen. Erst dort trifft die Gruppe zusammen – und von da an beginnt die gemeinsame Reise nach Japan.

    Es ist eine besondere Zeit zum Reisen. Nach den Jahren der Pandemie ist internationaler Flugverkehr zwar wieder möglich, ganz verschwunden sind die Auswirkungen von COVID jedoch noch nicht. Einige Auflagen und Einreisebestimmungen müssen weiterhin berücksichtigt werden und gehören ganz selbstverständlich zu den Reisevorbereitungen.

    Auch im Flugzeug ist zu spüren, dass das Reisen noch nicht wieder ganz beim Alten angekommen ist. Die Maschine ist nur schwach ausgelastet und viele Plätze bleiben frei. Für einen so langen Flug ein unerwarteter Luxus: viel Platz, freie Sitzreihen und die Möglichkeit, es sich für die vielen Stunden bis Japan beinahe bequem zu machen.

    Am Flughafen hatten sich die unterschiedlichen Wege schließlich getroffen. Von hier an ging es gemeinsam weiter – mit demselben Flugzeug und einem gemeinsamen Ziel: Japan.

  • 28.04 Freitag – München – Osaka

    28.04 Freitag – München – Osaka

    Flugzeit – mit unerwartetem Zwischenfall

    Der Start unserer Reise verlief leider nicht ganz so, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Ausgerechnet beim Treffen am Flughafen kam die Schocknachricht: Unsere akribisch vorbereitete Exkursionswebseite war gehackt worden. Eine Anmeldung war plötzlich nicht mehr möglich – und das genau in dem Moment, in dem die Reise eigentlich beginnen sollte.

    Wie sich das angefühlt hat, nachdem zuvor so viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung der Seite geflossen war, kann man sich vermutlich vorstellen. Statt sich einfach auf den bevorstehenden Flug und Japan zu freuen, begann die Fehlersuche.

    Und die begleitete uns schließlich bis ins Flugzeug. Ein nicht unerheblicher Teil der Flugzeit ging für den Versuch drauf, die Webseite irgendwie wieder zum Laufen zu bringen – inklusive kostenpflichtigem Internet über den Wolken. So war zumindest für Beschäftigung gesorgt, wenn auch ganz anders als geplant.

    Einen Zwischenstopp gab es in Helsinki. Und zwischen all dem technischen Ärger durfte etwas Nervennahrung natürlich nicht fehlen: Für alle gab es von mir eine kleine Schokoladenüberraschung – „Geisha“. 😉

    Ein Name, der für den Beginn einer Japanreise kaum passender hätte sein können – auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt von Japan selbst noch einige Flugstunden entfernt waren.

  • 29.04 Samstag – Ankunft in Osaka

    29.04 Samstag – Ankunft in Osaka

    Nach der langen Reise über Helsinki war es am 29. April 2023 endlich so weit: Gegen 12:10 Uhr landeten wir in Osaka.

    Nach den vielen Stunden unterwegs hieß es zunächst ankommen, einreisen, Gepäck einsammeln und sich orientieren. Nach und nach wurde dabei klar: Jetzt waren wir tatsächlich in Japan.

    Schon der Flughafen brachte die ersten kleinen Eindrücke mit sich – Schriftzeichen, Hinweisschilder, Automaten und vieles, was zunächst ungewohnt erschien. Nach der langen Anreise und mit entsprechend wenig Schlaf waren aber vermutlich alle vor allem eines: ziemlich müde.

    Vom Flughafen ging es schließlich weiter nach Osaka und damit hinein in die Stadt, die den Ausgangspunkt unserer Exkursion bilden sollte.

    Am Nachmittag änderte sich das Wetter. Es begann zu regnen – und zwar nicht zu knapp. Der Regen begleitete uns schließlich auch durch unseren ersten Abend in Japan.

    Vielleicht nicht ganz das Wetter, das man sich für die ersten Schritte durch Osaka vorstellt. Aber irgendwie gehört gerade das heute genauso zur Erinnerung an unsere Ankunft: lange Reise, viele neue Eindrücke, ein ziemlich nasses Osaka – und endlich in Japan.

  • 30.04 Sonntag – Osaka

    30.04 Sonntag – Osaka

    Ein Sonntag zwischen Ando, Bibliothek und teamLab

    30. April 2023

    Der erste vollständige Tag in Osaka begann mit Architektur – und mit einem Gebäude, das von außen beinahe unscheinbar wirkt.

    Azuma House – ganz klein und ganz Ando

    Unser erstes Ziel war das Azuma House in Sumiyoshi, eines der frühen und bekanntesten Wohnhäuser von Tadao Ando. Eingefügt in eine schmale Häuserzeile, zeigt sich zur Straße lediglich eine geschlossene Betonfassade mit einem einzigen Eingang.

    Gerade die geringe Größe macht das Haus interessant. Auf engstem Raum entwickelt Ando ein Wohnkonzept, bei dem ein offener Innenhof zum Mittelpunkt wird. Um von einem Teil des Hauses in den anderen zu gelangen, muss man diesen Außenraum durchqueren – und ist damit Wind, Regen, Licht und den Jahreszeiten unmittelbar ausgesetzt.

    Das Gebäude konnten wir natürlich nur von außen betrachten. Trotzdem war es spannend, plötzlich vor einem Haus zu stehen, das man aus Architekturpublikationen kennt – mitten in einem ganz normalen Wohnviertel von Osaka.

    Sayamaike Museum – Beton, Wasser und eine besondere Begegnung

    Von einem der kleinsten Werke Andos ging es anschließend zu einer ganz anderen Dimension: zum Sayamaike Museumin Osakasayama.

    Auch hier begegnet uns der für Tadao Ando charakteristische Sichtbeton, doch das Gebäude entwickelt eine vollkommen andere räumliche Wirkung. Wasser, große geometrische Formen, lange Wege sowie der Wechsel von Enge und Weite bestimmen die Annäherung. Besonders eindrucksvoll ist der Weg entlang der gewaltigen Wasserwand. Das Wasser ist dabei weit mehr als Kulisse: Man hört es, spürt seine Präsenz und bewegt sich durch eine Architektur, die bereits den Weg zum Bestandteil des Museumsbesuchs macht.

    Im Inneren widmet sich das Museum der Geschichte des Sayamaike, eines der ältesten Bewässerungsreservoirs Japans. Historische Schichten und Konstruktionen des Damms werden zu großformatigen Exponaten und vermitteln eindrucksvoll, wie eng Landschaft, Wasserbau und menschliche Eingriffe über Jahrhunderte miteinander verbunden waren.

    In besonderer Erinnerung blieb uns aber auch die Begegnung mit den Menschen im Museum. Mehrere ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dort tätig und begegneten uns mit einer außergewöhnlichen Freundlichkeit und Offenheit. Eine der Aufsichtspersonen nahm sich spontan viel Zeit für unsere Studierenden, führte sie durch Teile der Ausstellung und erzählte ausführlich über das Museum und seine Exponate.

    Aus einem zunächst ganz normalen Museumsbesuch entstand so unerwartet eine sehr persönliche Begegnung. Zum Abschluss entstand sogar noch ein gemeinsames Foto mit unserer Gruppe – eine dieser kleinen, ungeplanten Situationen, die von einer Exkursion oft besonders lange in Erinnerung bleiben.

    Eine Bibliothek wie ein Fels im Teich

    Die nächste Station führte uns nach Matsubara zur öffentlichen Bibliothek von MARU.architecture. Der massive Baukörper steht unmittelbar am Wasser und wurde passend dazu als „Fels im Teich“ beschrieben.

    Nach Andos streng inszenierten Betonräumen begegnete uns hier eine zeitgenössische Bibliothek als öffentlicher Ort. Besonders interessant war dabei nicht nur die äußere Erscheinung des Gebäudes, sondern die Frage, wie aus einer Bibliothek ein Raum zum Lesen, Lernen, Verweilen und Begegnen wird.

    Vom gebauten zum digitalen Raum

    Zurück in Osaka folgte am Abend ein bemerkenswerter Wechsel.

    Bei teamLab bestand der Raum plötzlich nicht mehr vor allem aus Beton, Wänden und Öffnungen. Licht, Projektionen, Bewegung, Klang und digitale Bilder bestimmten die Wahrnehmung. Die Grenzen zwischen Raum und Bild schienen sich aufzulösen, und die eigene Bewegung wurde Teil des Erlebnisses.

    Damit endete ein Tag, an dem wir innerhalb weniger Stunden sehr unterschiedliche Formen räumlicher Inszenierung erlebt hatten: ein winziges Wohnhaus, monumentale Museumsarchitektur, eine öffentliche Bibliothek und schließlich eine immersive digitale Welt.

    Beim gemeinsamen Abendessen konnten die vielen Eindrücke des ersten vollständigen Exkursionstages schließlich erst einmal sacken. Und wo könnte ein solcher Tag besser enden als in Osaka – einer Stadt, die nicht zuletzt für ihre ausgezeichnete Küche und ihre ausgeprägte Esskultur bekannt ist.

    Ein ziemlich intensiver Einstieg in Osaka.

  • 01.05 Montag – Osaka

    01.05 Montag – Osaka

    Der Montag begann zunächst ganz praktisch: Für den nächsten Tag stand die Weiterreise nach Kyoto an, also mussten erst einmal die entsprechenden Zugtickets organisiert werden. Danach ging es wieder hinaus in die Stadt – zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit einigen sehr unterschiedlichen Zielen vor Augen.

    Eine unserer ersten Stationen war PALETTE, ein Projekt von Kosuke Bando und nanometer architecture. Von außen zunächst ein eher kleines und zurückhaltendes Gebäude, zeigte sich beim Besuch schnell, dass hier nicht allein die Architektur interessant war.

    Besichtigen konnten wir nur den unteren Bereich, wurden dort aber ausgesprochen herzlich empfangen. Besonders schön waren die vielen kleinen Dinge, die vor Ort entstanden waren: Gezeichnetes, Genähtes und andere selbst hergestellte Arbeiten konnten gekauft werden. Verschiedenes davon wanderte mit uns weiter und ist bis heute eine kleine, sehr persönliche Erinnerung an diesen Besuch.

    In Erinnerung geblieben ist auch eine Begegnung zwischen einer Studentin unserer Gruppe und einer der Frauen vor Ort. Das Gespräch und die sichtbare Freude darüber machten den Aufenthalt zu mehr als einem kurzen Architekturtermin. Für einen Moment rückte das Gebäude selbst in den Hintergrund und das Leben darin in den Vordergrund.

    Danach führte der Weg weiter zu Tadao Andos Atelier in Oyodo. Fast unscheinbar sitzt der kleine Sichtbetonbau zwischen der alltäglichen Bebauung des Viertels. Gerade dieser unmittelbare Kontrast ist bemerkenswert: die für Ando so charakteristische Präzision des Betons, eingebettet in ein dichtes, gewachsenes Wohnumfeld.

    Mit dem Sumiyoshi Taisha änderte sich die Atmosphäre anschließend vollständig. Besonders eindrücklich war die leuchtend rote, stark gewölbte Sorihashi-Brücke, auch Taikobashi genannt. Nach der zeitgenössischen Architektur zuvor begegneten uns hier traditionelle Bauformen, Wasser, alte Bäume und eine ganz andere räumliche Ordnung.

    Zwischendurch blieb Zeit für eine kleine Pause – in Japan natürlich auch eine Gelegenheit, sich durch das Angebot an Süßigkeiten und Eis zu probieren.

    Am späteren Nachmittag erreichten wir schließlich den Osaka Castle Park. Schon auf dem Weg durch das viele Grün tauchte das Osaka Castle immer wieder zwischen den Bäumen auf. Nach den kleinen Maßstäben des Tages war die Wirkung der weitläufigen Anlage mit ihren mächtigen Mauern, Wassergräben und der weithin sichtbaren Burg noch einmal eine völlig andere.

    So führte dieser Tag durch sehr unterschiedliche Seiten Osakas: von einer kleinen Werkstatt und persönlichen Begegnungen über Andos Betonarchitektur und einen traditionsreichen Schrein bis zur großen historischen Burganlage.

    Und nach all den Kilometern und Eindrücken durfte eines natürlich nicht fehlen: ein gemeinsames Abendessen in Osaka.

  • 02.05 Dienstag – Osaka Kyoto

    02.05 Dienstag – Osaka Kyoto

    Der Abschied von Osaka begann nicht sofort mit der Weiterreise. Bevor es am späten Nachmittag nach Kyoto ging, nutzten wir den Vormittag noch einmal für einen Streifzug durch die Stadt – diesmal entlang der großen Markenhäuser rund um Shinsaibashi und die Midosuji.

    Dabei ging es uns weniger um die Marken selbst als um die Architektur und Gestaltung ihrer Häuser. Prada, Cartier, Apple, Louis Vuitton und andere internationale Labels nutzen ihre Gebäude hier als weithin sichtbare architektonische Statements. Fassaden, Materialien, Licht, Innenräume und die Inszenierung der Marken werden zu einem Teil des Stadtraums. Gerade für uns war es spannend, diese sehr unterschiedlichen Konzepte nicht nur von außen, sondern – soweit möglich – auch von innen anzusehen.

    Besonders eindrucksvoll war die Louis Vuitton Maison Osaka Midosuji. Das Gebäude entstand in Zusammenarbeit von Jun Aoki und Peter Marino und nimmt mit seiner beinahe segelartigen Fassade Bezug auf Osaka als historische Hafenstadt.

    Und dann kam eine jener ungeplanten Entdeckungen, die auf Reisen besonders schön sind: Im fünften Obergeschoss befand sich der Espace Louis Vuitton Osaka – und dort wurde gerade eine Ausstellung mit Werken von Alberto Giacometti gezeigt. Sieben seiner charakteristischen Skulpturen aus der Sammlung der Fondation Louis Vuitton waren hier zu sehen. Damit wurde aus dem ursprünglich architektonisch motivierten Besuch ganz nebenbei auch noch ein Ausstellungsbesuch.

    Nach diesem letzten Streifzug durch Osaka machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Gebäude, das unbedingt noch auf unserer Liste stand: Tadao Andos Church of the Light in Ibaraki.

    Die kleine Kirche liegt abseits der großen touristischen Wege in einem gewöhnlichen Wohngebiet. Gerade dieser Kontrast macht die Annäherung interessant: Nach den spektakulären Fassaden und luxuriösen Innenräumen der Midosuji steht man plötzlich vor einem zurückhaltenden Bau aus Sichtbeton.

    Das Innere konnten wir leider nicht mehr besichtigen. Noch immer waren Auswirkungen der Pandemie spürbar und der Zugang für Besucherinnen und Besucher eingeschränkt. Dafür ergab sich eine kleine Begegnung, die uns in Erinnerung blieb: Eine Person vor Ort bemerkte offenbar unser Interesse an der Kirche und zeigte uns auf einem Foto, wie der Innenraum aussieht. So bekamen wir zumindest einen Eindruck von Andos berühmtem Lichtkreuz – jener kreuzförmigen Öffnung in der Betonwand, durch die das Tageslicht in den ansonsten reduzierten Kirchenraum fällt.

    Es war nur eine kurze Begegnung, aber eine sehr freundliche Geste – und vielleicht gerade deshalb eine schöne Erinnerung an diesen Besuch.

    Danach hieß es endgültig Abschied nehmen von Osaka. Das große Gepäck hatten wir, soweit die Erinnerung reicht, bereits voraus nach Kyoto schicken lassen – eine in Japan ausgesprochen praktische Möglichkeit, die das Reisen zwischen den Städten deutlich angenehmer machte.

    Mit dem Zug ging es schließlich weiter nach Kyoto.

    Nach einigen intensiven Tagen in Osaka begann damit der nächste Abschnitt unserer Reise – und zugleich der Wechsel in eine Stadt, die uns wieder mit einer ganz anderen Atmosphäre, Architektur und Geschichte begegnen sollte.

  • 03.05 Mittwoch – Kyoto

    03.05 Mittwoch – Kyoto

    Nach Osaka war Kyoto ein wunderbarer Kontrast. Schon die Ankunft am Abend fühlte sich anders an – und spätestens mit den japanischen Schlafkimonos im Hotel waren wir irgendwie in Kyoto angekommen. 🙂

    Der nächste Morgen begann mit einem traditionellen japanischen Frühstück: viele kleine Schalen und Teller, ungewohnte Geschmäcker – und ausgesprochen lecker.

    Danach ging es durch den berühmten Nishiki-Markt. Die schmale, lebendige Marktstraße mit ihren kleinen Geschäften, Lebensmitteln, Süßigkeiten und Spezialitäten war ein schöner Einstieg in die Stadt – überall gab es etwas zu schauen und zu entdecken.

    Mit dem Kinkaku-ji, dem Goldenen Pavillon, folgte eines dieser Bilder, die man schon lange kennt und dann plötzlich tatsächlich vor sich sieht. Gold, Wasser, Garten und die Spiegelung des Gebäudes – beeindruckend.

    Weiter ging es zum Kaiserpalast und damit noch einmal tief hinein in die Geschichte Kyotos. Überhaupt war es faszinierend, diese historische Stadt zu erleben und zu sehen, wie selbstverständlich Tradition und heutiger Alltag nebeneinander existieren.

    Am späten Nachmittag gehörte eine traditionelle Teezeremonie zu unserem Programm. Nach einem langen Tag war das ein wunderbar ruhiger Moment: Matcha, genau ausgeführte Handgriffe und die große Aufmerksamkeit für jedes Detail.

    Im Raum hing ein Schriftzug, dessen Gedanke mir besonders in Erinnerung geblieben ist: 一期一会 – ichigo ichie. Sinngemäß bedeutet er, dass eine Begegnung, so wie sie in diesem Augenblick stattfindet, einmalig ist und sich niemals genauso wiederholen wird. Ein schöner Gedanke für eine Teezeremonie – und eigentlich auch für eine solche gemeinsame Reise.

    Und dann natürlich Fushimi Inari: die scheinbar endlosen Reihen der roten Torii, durch die sich der Weg den Berg hinaufzieht. Ein faszinierendes räumliches Erlebnis aus Wiederholung, Licht, Schatten und immer neuen Perspektiven.

    Nach dem modernen und lebhaften Osaka zeigte Kyoto eine ganz andere Seite Japans – historisch, atmosphärisch und voller besonderer Eindrücke. Ein sehr schöner Tag in einer wirklich bemerkenswerten Stadt.

  • 04.05 Donnerstag – Kyoto + Nagoya

    04.05 Donnerstag – Kyoto + Nagoya

    Der zweite Tag in Kyoto verlief anders als geplant. Während sich ein Teil der Gruppe auf den Weg machte, Kyoto weiter zu erkunden und den Tag in der Stadt zu verbringen, führte mich der Weg gemeinsam mit einem Teilnehmer zunächst ins Krankenhaus. Eine Situation, die so natürlich nicht auf unserem Reiseplan gestanden hatte und einen großen Teil des Tages in Anspruch nahm.

    Für die übrige Gruppe blieb dadurch Zeit, Kyoto noch einmal auf eigene Faust zu entdecken – vielleicht war gerade das nach den vielen gemeinsamen Programmpunkten der vergangenen Tage auch einmal ganz angenehm.

    Am Abend kamen wir wieder zusammen und machten uns auf den Weg zur nächsten Station unserer Reise: Nagoya.

    Dort wartete eine weitere typisch japanische Erfahrung auf uns. Zum ersten Mal auf dieser Reise übernachteten wir in einem Capsule Hotel. Was zunächst nach einer eher zweckmäßigen und vor allem platzsparenden Form der Übernachtung klingt, erwies sich als ausgesprochen angenehm. Das Capsule Hotel war sehr schön gestaltet, gepflegt und durchdacht – und die einzelnen Schlafkapseln vermittelten trotz ihrer geringen Größe erstaunlich viel Ruhe und Rückzugsmöglichkeit.

    Nach einem Tag, der für uns sehr unterschiedlich verlaufen war, endete er damit doch noch mit einer besonderen gemeinsamen Erfahrung. Und wieder zeigte sich, dass auf dieser Reise nicht nur die geplanten Besichtigungen und Programmpunkte in Erinnerung bleiben, sondern ebenso die ungeplanten Situationen und die ganz alltäglichen Erfahrungen unterwegs.

    Nächster Halt: Nagoya.

  • 05.05 Freitag – Nagoya

    05.05 Freitag – Nagoya

    Der Tag begann mit einem Ausflug nach Inuyama und einem Besuch im Meiji Mura, einem weitläufigen Freilichtmuseum, in dem historische Gebäude aus der Meiji-Zeit und darüber hinaus erhalten, versetzt und teilweise wiederaufgebaut wurden. Für uns war dieser Ort besonders spannend, weil sich Architekturgeschichte hier nicht nur anhand von Plänen oder Bildern nachvollziehen lässt, sondern unmittelbar räumlich erfahren werden kann.

    Ein besonderes Highlight war der erhaltene Teil des von Frank Lloyd Wright entworfenen Imperial Hotel in Tokio. Das ursprüngliche Hotel wurde in den 1960er-Jahren abgerissen; Teile des Eingangs- und Lobbybereichs konnten jedoch gerettet und im Meiji Mura wiederaufgebaut werden. So bot sich die seltene Gelegenheit, Wrights Architektur, ihre Materialität, Proportionen und die besondere Gestaltung der Innenräume tatsächlich zu erleben.

    Nach dem Besuch trennten sich unsere Wege. Für die Gruppe ging das Programm weiter – unter anderem mit einem Besuch des Färberviertels und eines Museums, das nach den späteren Erzählungen ebenfalls sehr sehenswert gewesen sein muss.

    Für mich ging es dagegen zurück nach Nagoya ins 9h nine hours Nagoya Station. Die zu Beginn unserer Reise gehackte Website beschäftigte uns schließlich noch immer. Nach einem etwa einstündigen Telefonat mit unserem Administrator gelang es tatsächlich, die Seite wieder zum Laufen zu bringen. Nach all den vorherigen Versuchen war das zunächst eine große Erleichterung: Für einige Tage war unsere Reisewebsite wieder erreichbar.

    Am Abend kamen wir wieder zusammen. Direkt in der Nähe unseres Capsule Hotels ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Okonomiyaki-Essen ausklingen. Verschiedene Varianten – unter anderem mit Mochi und Käse oder Avocado – wurden auf den heißen Platten am Tisch zubereitet und geteilt. Nach dem langen Tag war das nicht nur ausgesprochen lecker, sondern auch ein schöner gemeinsamer Abschluss.

    So verband dieser Tag auf etwas ungeplante Weise sehr unterschiedliche Seiten unserer Reise: japanische Architekturgeschichte und traditionelle Handwerkskultur, digitale Probleme im Hintergrund – und schließlich ein geselliger Abend bei gutem Essen mitten in Nagoya.

  • 10_06.05 Samstag Reise Nagoya – Shin-Fuji – Tokyo Hauptbahnhof

    10_06.05 Samstag Reise Nagoya – Shin-Fuji – Tokyo Hauptbahnhof
    • 06:00 Uhr Treffen der Gruppe vor dem Capsule Hotel, maximale Wartezeit 5 Minuten
    • 06:45 Uhr – 08:17 Uhr mit JR Line Kodama 700 von Nagoya Station nach Shin-Fuji
    • 08:30 Uhr Frühstück in Shin-Fuji
    • 11:10 Uhr – 12:18 Uhr Weiterfahrt mit JR Line Kodama 710 von Shin-Fuji nach Tokyo Hauptbahnhof.
    • 360° Pictures
    • Anschließend mit U-Bahn ins 9 Hours Hotel in Akasaka, Ankunft ca. um 13:30 Uhr – Wartezeit – Checkin erst um 14:00 Uhr.
    • Gemeinsames Essen – Ramensuppe in der Nähe vom Hotel
    • Abends nach Shinjuku – Modegauken

    Der Samstag begann früh: Bereits um 6 Uhr trafen wir uns vor unserem Capsule Hotel in Nagoya. Mit dem Kodama-Shinkansen ging es um 6:45 Uhr los in Richtung Shin-Fuji. Die Tickets hatten wir bereits am Morgen zuvor gekauft – ganz bewusst mit einem längeren Zwischenstopp am Fuß des Fuji.

    Gegen 8:17 Uhr erreichten wir Shin-Fuji. Hier hatten wir einige Stunden Zeit und natürlich die Hoffnung, einen möglichst freien Blick auf den Fuji zu bekommen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, die Umgebung zu erkunden und einige 360°-Aufnahmen zu erstellen. Ob und wie deutlich sich der Fuji an diesem Morgen tatsächlich zeigte, gehörte ein wenig zum Glück dieser Reise.

    Für die anschließende Weiterfahrt durfte eine weitere japanische Reiseerfahrung nicht fehlen: eine Bentō-Box. Jede und jeder suchte sich vor der Fahrt eine eigene aus. Die liebevoll zusammengestellten Mahlzeiten gehören für viele Reisende ganz selbstverständlich zu einer längeren Zugfahrt in Japan – und so wurde auch das gemeinsame Essen im Shinkansen zu einem kleinen Teil unserer Exkursionserfahrung.

    Um 11:10 Uhr ging es mit dem Kodama weiter nach Tokio. Gut eine Stunde später erreichten wir Tokyo Station und damit die letzte große Station unserer Reise. Von dort fuhren wir mit der U-Bahn nach Akasaka zu unserem 9 Hours Hotel. Da der Check-in erst um 14 Uhr möglich war, blieb zunächst noch etwas Zeit, bevor wir unsere Schlafplätze beziehen konnten.

    Danach ging es gemeinsam zum Ramenessen in der Nähe des Hotels. Am Abend ging es weiter nach Shinjuku zum Mode Gakuen Cocoon Tower. Der markante Hochschulbau von Tange Associates war für uns nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Architektur interessant: In dem vertikal organisierten Campus lernen Tausende Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen. Die einem Kokon nachempfundene Gebäudeform steht dabei sinnbildlich für einen geschützten Ort des Lernens und der Entwicklung.

  • 07.05 Sonntag – Tokyo – Chyoda – Imperial Garden – Internationales Design Forum – Roppongi Hills

    07.05 Sonntag – Tokyo – Chyoda – Imperial Garden – Internationales Design Forum – Roppongi Hills

    7. Mai 2023 · Regentag

    • 08:00 Uhr Treffen im Loungebereich des Hotels 9 Hours Asakasa
    • 09:00 Uhr Chiyoda Imperial Garden
    • 10:00 Uhr International Designforum
    • ca. 12:00 Uhr 21 21 Design Sight Museum – Tada Ando
    • ca. 13:00 Uhr Mittagessen / Café / Blue Bottl Roppongi
    • ca. 14:00 Uhr Lucien Pellat-Finet – Shopgestaltung – Kengo Kuma
    • ca. 15:00 Uhr Suntory-Kunstmuseum _ Architektur und Ausstellung – – Glas – Kengo Kuma
    • 20:00 Uhr Ankunft im Hotel
    • Abendessen / Snack und Packen – Taschen
    • Upload Reiseblock – 360° Pictures

    Der Sonntag begann früh – und mit Regen. Um 8 Uhr trafen wir uns im Loungebereich unseres Hotels 9h nine hours Akasaka, bevor wir uns auf den Weg nach Chiyoda machten.

    Erste Station war der Imperial Garden. Trotz des wenig einladenden Wetters ging es anschließend weiter zum International Design Forum. Gerade an einem solchen Regentag bot sich ein Programm an, bei dem sich Außenräume, Architektur, Design und Ausstellungen immer wieder abwechselten.

    Gegen Mittag erreichten wir 21_21 DESIGN SIGHT in Roppongi. Das von Tadao Ando entworfene Museum fügte sich fast zurückhaltend in die Umgebung ein – ein großer Teil der Ausstellungsräume liegt unter der Erde. Nach den vielen Ando-Bauten, die wir während der Reise bereits gesehen hatten, war es spannend, hier noch einmal eine ganz andere Museumsarchitektur von ihm zu erleben.

    Danach blieb Zeit für eine Mittagspause und einen Kaffee bei Blue Bottle Coffee in Roppongi, bevor es weiter durch das Viertel ging. Auf unserem Programm stand auch Lucien Pellat-Finet, ein von Kengo Kuma gestalteter Shop. Hier wurde selbst ein vergleichsweise kleiner Innenraum zu einem interessanten Beispiel dafür, wie Material, Konstruktion und räumliche Wirkung zusammenspielen können.

    Am Nachmittag besuchten wir schließlich das Suntory Museum of Art. Neben der Ausstellung interessierte uns auch hier die Architektur und Innenraumgestaltung von Kengo Kuma – insbesondere der Umgang mit Glas, Holz, Licht und fein gegliederten Oberflächen.

    Nach einem langen Tag im regnerischen Tokyo kamen wir gegen 20 Uhr wieder im Hotel an. Der Abend war eher praktisch: etwas essen, Taschen packen und die 360°-Aufnahmen für den Reiseblog hochladen. Am nächsten Morgen sollte es schließlich schon wieder weitergehen.

  • 08.05 Montag – Tokyo – Ikebukuro – Kawaguchi – Itabashi, Toshima

    08.05 Montag – Tokyo – Ikebukuro – Kawaguchi – Itabashi, Toshima

    Regentag bis 10:00 Uhr

    • 06:00 Uhr – Treffen im Lounge-Bereich vom Hotel 9 Hours, Taschen holen, Tasche mit Handtüchern zurückbringen und auschecken.
    • Transport der Koffer ins neue Hotel Hotel Wings in Ikebukuro – bedauerlicherweise genau in der Rushhour
    • ca. 10:00 Uhr Frühstück im neuen Hotel
    • ca. 11:30 Uhr Architektur Bank 1 Kawaguchi – Emmanuelle Moreaux
    • ca. 12:30 Uhr Architektur Bank 2 – Emmanuelle Moreaux
    • ca. 13:30 Uhr Curtain Wall House – Shigeru Ban
    • ca. 14:00 Uhr Architektur Bank 3 – Emmanuelle Moreaux
    • ca. 15:00 Uhr Apartment Houses – Sou Fujimoto
    • ca. 16:00 Uhr Tree Ness House – Akhisa Hirata
    • ca. 19:30 Uhr Overlab House – Akihisa Hirata
    • 20:00 Uhr Abendessen – Barbecue Restaurant Yakiniku Gyu in der Nähe der Otsuka Station
    • 23:00 Ankunft im Hotel
    • Reiseblog – 360° Pictures + Webseite

    Der Montag begann früh – und zunächst ziemlich nass. Bereits um 6 Uhr trafen wir uns im Lounge-Bereich unseres Capsule Hotels 9h, um auszuchecken und mit unserem Gepäck zum nächsten Hotel in Ikebukuro zu wechseln. Dass wir damit ausgerechnet in die morgendliche Rushhour gerieten, war nicht unbedingt ideal – aber auch das gehört wohl zu den Erfahrungen einer Reise durch Tokyo.

    Nach dem Frühstück im neuen Hotel begann das eigentliche Tagesprogramm. Und auf der Agenda stand einiges. Die Route hatte ich bereits im Vorfeld der Exkursion zusammengestellt, um an diesem Tag ganz unterschiedliche Positionen zeitgenössischer japanischer Architektur möglichst unmittelbar miteinander vergleichen zu können.

    Den Auftakt bildeten mehrere Bankfilialen in Kawaguchi, deren Innenräume von Emmanuelle Moureaux gestaltet wurden. Ihre Arbeit mit Farbe, Schichtung und räumlicher Tiefe war uns bereits aus der Vorbereitung bekannt – vor Ort ließ sich jedoch sehr viel unmittelbarer erleben, wie stark Farbe selbst zum raumbildenden Element werden kann.

    Danach führte unser Weg zu Shigeru Bans Curtain Wall House. Schon der Name beschreibt das zentrale Thema des Hauses: Die klassische massive Gebäudehülle wird infrage gestellt und durch große, bewegliche Vorhänge ergänzt. Ein Wohnhaus, bei dem die Grenze zwischen Innen- und Außenraum auf ungewöhnliche Weise veränderbar wird.

    Weiter ging es zu den Apartment Houses von Sou Fujimoto. Auch hier begegnete uns eine Architektur, die vertraute Vorstellungen vom Wohnen und von der Abgrenzung einzelner Räume hinterfragt. Die vielen kleinen Baukörper, Ebenen und Zwischenräume erzeugen ein räumliches Gefüge, das beinahe wie eine kleine Stadt wirkt.

    Am Nachmittag erreichten wir schließlich das Tree-ness House von Akihisa Hirata. Die komplexe, fast organisch wirkende Architektur mit ihren zahlreichen Vorsprüngen, Terrassen, Pflanzen und Zwischenräumen war noch einmal ein deutlicher Kontrast zu den zuvor besuchten Gebäuden.

    Nach einem langen Tag führte uns die Route am Abend noch zu einem weiteren Gebäude Hiratas, dem Overlap House. Damit endete ein Tag, an dem wir innerhalb weniger Stunden sehr unterschiedliche Vorstellungen davon kennenlernen konnten, wie Architektur Raum, Fassade, Farbe, Natur und das Verhältnis zwischen Innen und Außen neu interpretieren kann.

    Und natürlich gehörte nach so vielen Kilometern auch das gemeinsame Abendessen dazu. In der Nähe der Ōtsuka Station ließen wir den Tag bei Yakiniku ausklingen – japanischem Barbecue, bei dem Fleisch und andere Zutaten direkt am Tisch gegrillt werden.

    Gegen 23 Uhr kamen wir schließlich wieder im Hotel an. Ein langer Tag – aber genau solche Tage zeigen im Rückblick auch, wie viel sich auf einer gut vorbereiteten Exkursion entdecken lässt.

  • 09.05 Dienstag – Tokyo – Fischmarkt neu – Teamlab – Ginza – Shibuya Sky

    09.05 Dienstag – Tokyo – Fischmarkt neu – Teamlab – Ginza – Shibuya Sky

    Sonnentag

    • 07:30 Uhr – Treffen im Lounge-Bereich vom Hotel Wing
    • 08:30 Uhr – Fischmarkt alt + neu?
    • Frühstück – Sushi
    • 10:45 Uhr – Meeting vor dem TeamPlanet Tokyo – Gedanken >>>
    • 13:30 Uhr – Mittagessen vegan Ramen im Teamlab
    • 14:30 Uhr – 18:00 Uhr Ginza
      • Nakagin Capsule Tower 
      • Mikimoto Tower
      • Itoya Paper
      • Luis Vuitton Ginza
      • Muji 
      • Kayanoya / Nihonbashi
      • Luis Vuitton Matsuya
      • Tokyo International Forum

    Ein weiterer sonniger Tag in Tokio begann früh. Bereits um 7:30 Uhr trafen wir uns im Lounge-Bereich unseres Hotels und machten uns anschließend auf den Weg zu den Fischmärkten. Auf dem Programm standen der traditionelle Tsukiji Outer Market und der neuere Fischmarkt in Toyosu. Und was könnte als Frühstück an einem solchen Morgen passender sein als Sushi?

    Danach ging es weiter zum teamLab Planets Tokyo. Nach vielen Tagen in den Städten Japans, vielen Kilometern zu Fuß und unzähligen Eindrücken war dieser Besuch auf eine ganz eigene Weise erfrischend. Schuhe und Socken blieben am Eingang zurück – und plötzlich bewegten wir uns barfuß durch die Ausstellung.

    Mal führte der Weg durch Wasser, mal über weiche oder unerwartet nachgebende Böden, durch dunkle Räume, Licht, Spiegelungen und Projektionen. Die Grenzen zwischen Raum, Bild und Bewegung begannen sich aufzulösen. Man betrachtete die Installationen nicht einfach von außen, sondern wurde selbst Teil davon.

    Besonders faszinierend war, wie unmittelbar der eigene Körper in die Wahrnehmung einbezogen wurde. Wasser umspülte die Füße, Licht veränderte den Raum, Bilder reagierten auf Bewegung und setzten sich über Wände und Böden hinweg fort. Manchmal verlor man für einen Moment sogar das Gefühl dafür, wie groß ein Raum tatsächlich war und wo seine Grenzen lagen.

    Nach den bereits vielen Tagen auf den Beinen fühlte sich gerade das Laufen durch das Wasser überraschend wohltuend an – fast wie eine kleine Pause innerhalb der Reise, obwohl es gleichzeitig unglaublich viel zu entdecken gab.

    Für mich war teamLab deshalb weit mehr als eine digitale Ausstellung: ein faszinierendes räumliches Erlebnis, bei dem Sehen, Bewegung, Berührung und die eigene Wahrnehmung miteinander verschmolzen.

    Nach diesem besonderen Erlebnis stärkten wir uns noch mit veganen Ramen, bevor es am Nachmittag weiter nach Ginza ging. Dort wartete wieder ein dichtes Programm aus Architektur, Innenraumgestaltung, Design und natürlich dem unmittelbaren Erleben der Stadt.

    Zu unseren Stationen gehörten unter anderem der Mikimoto Ginza 2, Itoya mit seinen zahlreichen Etagen rund um Papier und Gestaltung, Muji sowie die außergewöhnlichen Gebäude und Fassaden internationaler Modehäuser. Auch Louis Vuitton gehörte zu unserem Weg durch Ginza. Gerade hier lässt sich auf vergleichsweise engem Raum erleben, wie stark Architektur selbst zum Bestandteil der Identität einer Marke wird.

    Auch der Nakagin Capsule Tower, eines der bekanntesten Beispiele des japanischen Metabolismus, spielte auf unserer Route anders als 2016 leider keine Rolle mehr. Das Gebäude selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits abgerissen. Sein ehemaliger Standort erinnerte jedoch an einen Bau, der über Jahrzehnte zu den Architekturikonen Tokios gehörte.

    Unser Weg führte uns weiter durch das Stadtgebiet, unter anderem in Richtung Nihonbashi, und schließlich zum Tokyo International Forum. Der große gläserne Bau mit seinem eindrucksvollen, weit gespannten Innenraum bildete noch einmal einen ganz anderen architektonischen Maßstab als viele der zuvor besuchten Geschäfte und kleineren Stadträume.

    Nach diesem langen Nachmittag blieb gegen 18 Uhr nur Zeit für einen kleinen Snack, denn auch damit war der Tag noch nicht beendet.

    Am Abend ging es weiter nach Shibuya. Um 19:20 Uhr stand mit Shibuya Sky noch einmal ein ganz anderer Blick auf Tokio auf dem Programm. Hoch über der Stadt öffnete sich der Blick über das scheinbar endlose Häusermeer – auf Straßen, Lichter und die dichte Struktur dieser riesigen Metropole.

    Nach einem Tag, der morgens auf dem Fischmarkt begonnen hatte, uns barfuß durch die immersiven Räume von teamLab und anschließend durch Architektur und Design in Ginza geführt hatte, war dieser Blick von oben ein eindrucksvoller Abschluss.

    Ein langer und ausgesprochen vielfältiger Tag in Tokio – vom Sushi-Frühstück am Morgen bis zum nächtlichen Blick über die Stadt.

  • 10.05 Mittwoch – Tokyo – St.Marien – Shibuya

    10.05 Mittwoch – Tokyo – St.Marien – Shibuya

    Sonnentag

    Route 1 Vormittag – Ōtsuka/Bunkyō
    Overlap House → Ochanomizu University → Sky House → St. Mary’s Cathedral https://maps.app.goo.gl/XCf5LTGBVpbnVvN26
    • 07:30 Frühstück
    • 08:00 Meeting Gruppe [08:30 Uhr]
    • ca. 08:30 Overlap House bei Tag – [Akihisa HIRATA]
    • ca. 09:30 Ochanomizu University – University of [Kengo Kuma]
    • ca. 10:30 Sky House – [Kiyonori Kikutake] Hidden Architecture
    • ca. 11:30 St. Marien – [Kenzō Tange]
    Route 2 Harajuku → Omotesando – erster Architekturspaziergang
    Takeshita Street → Tokyu Plaza → Design Festa Gallery → GYRE → Dior → Tod’s → Omotesando Hills → ONE Omotesando https://maps.app.goo.gl/kYyyKDVd9mEZpHxu8
    Fahrzeit: Tagesticket - U-Bahn
    • Takeshita-Straße
    • Tokyo Plaza Omotesando + Dachterasse [H. Nakamura & NAP Architects]

    Wara Tako Tintenfisch / Mittagessen

    • GYRE Shopping Mall [MVRDV]
    • Design Festa Gallery
    • Tod’s [Toyo Ito]
    • Dior [Sanaa]
    • Omotesando Hills Mall [Tadao Ando]
    • One Omotesando [Kengo Kuma]
    Route 3 Aoyama – zweite Architekturrunde
    ONE Omotesando → Spiral → Collezione → Comme des Garçons → Prada → Jewels of Aoyama → Nezu Museum https://maps.app.goo.gl/xDmgdwj9tv4YVdWf6
    • The Spiral [Fumihiko Maki]
    • Le Collezione [Tadao Ando]
    • Jewels of Aoyama [Jun Mitsui]
    • Comme de Garcon [Future Systems]
    • Prada [Herzog & deMeuron]
    • Marc Jacobs Boutique
    • Nezu Museum [Jap. Painting/Print] [Kengo Kuma]
    • Bank Gallery
    • ESPACE LOUIS VUITTON TOKYO
    • Boss Store
    • Issey Miyake Building
    Route 4 Später Nachmittag/Abend
    Nezu Museum → Miyashita Park https://maps.app.goo.gl/LGapGRDALKUdSDnXA
    Fahrzeit: Tagesticket - U-Bahn nach Shibuya - eine Station
    Route 5 Abendessen 
    Miyashita Park → Asakusa https://maps.app.goo.gl/LGapGRDALKUdSDnXA
    Fahrzeit: Tagesticket - U-Bahn GinzaLine nach Asakusa
    1. ca. 19:00 Uhr –
    2. ca. 20:10 Uhr – 11:00 Uhr gemeinsames Abendessen Running Sushi im Restaurant in Asakusa 23:30 Uhr Ankunft im Hotel.

    Route 6 zurück ins Hotel
    Fahrzeit: Tagesticket - U-Bahn G-Ginza-Line nach Shibuya, Umsteigen in M-Line nach Ikebukuro ins Hotel
    1. Reflexion

    Auch der Mittwoch hatte es in sich. Für diesen Tag stand eine ziemlich dichte Route durch Tokio auf dem Programm – mit Architektur aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten und einigen Gebäuden, die wir bereits aus Studium, Lehre und Architekturgeschichte kannten.

    Nach dem Frühstück starteten wir früh. Eine der ersten Stationen war das Overlap House von Akihisa Hirata. Von dort ging es weiter in Richtung unseres nächsten Ziels.

    Unterwegs ergab sich allerdings einer jener schönen Zufälle, die sich nicht planen lassen. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Kaffee. Dabei landeten wir auf dem Campus der Ochanomizu University und entdeckten dort das Seattle Espress Cafe. Aus der kurzen Kaffeepause wurde unverhofft ein kleiner Architekturfund: Das Café befindet sich im Hisao & Hiroko Taki Plaza, einem von Kengo Kuma entworfenen Gebäude. Ein kleiner Ausstellungsbereich vor Ort informierte zusätzlich über die Architektur und Entstehung des Baus. So wurde aus der Suche nach einem Frühstückskaffee ganz ungeplant ein weiterer Programmpunkt unserer Exkursion.

    Anschließend ging es weiter zum Sky House von Kiyonori Kikutake. Das 1958 errichtete Wohnhaus ist ein bedeutendes Beispiel der japanischen Nachkriegsmoderne und gilt als wichtiger Vorläufer des Metabolismus. Mit der St. Mary’s Cathedral von Kenzo Tange folgte kurz darauf ein weiteres Schlüsselwerk dieser Zeit. Die expressive, skulpturale Dachlandschaft unterscheidet sich grundlegend von den vielen kleineren Wohn- und Geschäftsbauten, die das Stadtbild Tokios prägen.

    Danach wechselten Maßstab und Atmosphäre. Rund um Harajuku, Omotesando und Aoyama lässt sich Architektur beinahe wie in einem dicht gepackten Freilichtmuseum erleben.

    Weiter ging es durch Harajuku und über die quirlige Takeshita Street, bekannt für ihre bunte Jugendmode, kleinen Shops und zahlreichen Streetfood-Angebote, zum Tokyu Plaza Omotesando Harajuku von Hiroshi Nakamura & NAP Architects – mit seinem markanten, kaleidoskopartigen Spiegeleingang und der Dachterrasse.

    Von dort führte unser Weg weiter durch Omotesando und Aoyama. Auf vergleichsweise engem Raum begegneten uns erstaunlich viele Gebäude international bekannter Architekturbüros: GYRE von MVRDVTod’s Omotesando von Toyo ItoDior Omotesando von SANAAOmotesando Hills von Tadao Ando und ONE Omotesando von Kengo Kuma.

    Dazwischen lagen kleinere Galerien, Shops und immer wieder weitere bemerkenswerte Gebäude. Gerade hier wird deutlich, wie eng in Tokio Architektur, Mode, Design und öffentlicher Stadtraum miteinander verwoben sind. Die Architektur ist dabei nicht isoliertes Besichtigungsobjekt, sondern ganz selbstverständlich Teil des alltäglichen Stadtlebens.

    Bei so viel Architektur durfte eine Pause natürlich nicht fehlen. Zum Mittagessen gab es Takoyaki, die typischen kleinen Teigbällchen mit Oktopus, bevor es anschließend weiter durch Aoyama ging.

    Und die Dichte bemerkenswerter Architektur ließ kaum nach: Collezione von Tadao AndoThe Jewels of Aoyama von Jun MitsuiComme des Garçons von Future Systems, der Prada Aoyama Epicenter von Herzog & de Meuron sowie weitere Flagship-Stores und Galerien lagen auf unserem Weg. Auch das Espace Louis Vuitton Tokyo, der Boss Store im Omotesando Keyaki Building und Issey Miyake gehörten zu den Gebäuden und Stationen entlang unserer Route.

    Das Spiral Building von Fumihiko Maki hatte ich ebenfalls in meinem damaligen Ablauf notiert. Ob wir tatsächlich hineingegangen sind oder es an diesem ohnehin schon sehr vollen Tag nur als mögliche Station vorgesehen war, lässt sich heute nicht mehr ganz sicher rekonstruieren.

    Einen besonderen Kontrast zu den kommerziell geprägten Straßen von Omotesando und Aoyama bildete das Nezu Museum von Kengo Kuma. Schon der lange, ruhige Zugang schafft einen starken Gegenpol zum Trubel der Stadt. Mit seinen Ausstellungsräumen und dem weitläufigen japanischen Garten entstand hier eine vollkommen andere Atmosphäre – ruhig, zurückgenommen und eng mit der Landschaft verbunden.

    Später ging es mit der U-Bahn weiter nach Shibuya zum Miyashita Park. Auch hier zeigte sich eine für Tokio charakteristische Antwort auf den knappen städtischen Raum: Unterschiedliche Nutzungen werden nicht nur nebeneinander, sondern übereinander organisiert. Handel, Wege, Freizeitangebote und Grünflächen bilden ein Stück Stadt auf mehreren Ebenen.

    Damit war unser Tag allerdings noch immer nicht beendet. Mit der Ginza Line ging es weiter Richtung Asakusa. Nach all den Kilometern, Gebäuden und Eindrücken ließen wir den Abend schließlich bei einem gemeinsamen Running-Sushi-Essen ausklingen, bevor es zurück ins Hotel ging.

    Ein langer und ausgesprochen dichter Tag – und einer, an dem sich besonders gut erleben ließ, wie unmittelbar in Tokio ganz unterschiedliche Generationen japanischer und internationaler Architektur aufeinandertreffen: von Kikutake und Tange über Maki, Ando und Ito bis zu Kuma und SANAA, dazwischen Herzog & de Meuron, MVRDV und viele weitere.

    Und manchmal genügte sogar die Suche nach einem Kaffee, um ganz unverhofft noch einen Kengo Kuma zu entdecken.

    Der 10. Mai war nicht einfach ein langer Stadtspaziergang. Wir haben an einem einzigen Tag eine erstaunliche Dichte bedeutender Architektur gesehen: Tange, Kikutake, Hirata, Kuma, Nakamura, MVRDV, Toyo Ito, SANAA, Ando, Herzog & de Meuron, Jun Mitsui, Jun Aoki, Norihiko Dan usw.

  • 11.05 Donnerstag Tokyo – Nakano – Shinjuku – Shibuya

    11.05 Donnerstag Tokyo – Nakano – Shinjuku – Shibuya

    Sonnentag

    • 08:00 Meeting Gruppe – Wartezeit – Start um 08:30 Uhr
    Fahrzeit: z.B. Jamanote Line und Chuo-Sobu Line nach Nakano
    • 09:00 Frühstück in Marugame Seimen Nakano Central Park, Nakano Central Park South, 2F 4 Chome-10-2 Nakano, Nakano City, Tokyo 164-0001, Japan
    Route 1 Nakano Central Park → ZA Koenji → House NA → Koenji → SunnyHills → Brasilianische Botschaft → Harajuku Church → Tower House → Watari-um https://maps.app.goo.gl/Gw8APsFK8Vj3Dd7v5
    • ZA Koenji [Toyo Ito]
    • NA House [Sou Fujimoto]
    • Koenji Pal [Vintage Shopping, etc.]
    Fahrzeit: Jamanote Line nach Shibuya
    • Sunny Hills [Kengo Kuma] 11:00 – 19:00 – Gedanken >>>
    • Kengo Kuma Associates
    • Embassy of Brazil
    • Harajuku Church
    • Tower House [Takamitsu Azuma]
    • Watari Museum
    Route 2 Watari-um → Tokyu Kabukicho Tower → Golden Gai → Mode Gakuen Cocoon Tower → anschließend Rückweg Richtung Ikebukuro / Abendprogramm https://maps.app.goo.gl/S347nYg3a7gurbFE6

    Fahrzeit: Shibuya nach Shinjuku
    • Kabuki-cho Tower [Richard Rogers]
    • Golden Gai Bar District
    • Cocoon Tower / Tokyo Mode Gauken [Kenzo Tange]
    1. ca. 17:30 gemeinsames Zeichnen
    2. ca. 19:30 Uhr – gemeinsames Abendessen
     Fahrzeit: Tagesticket nach Ikebukuro
    1. ab 21:25 Uhr – Reflexion
    • Undercover Labs
    • Sin Den Hairstyling
    • Dear Jingumae | Omotesando

    Der Tag begann früher als geplant: Um 4:16 Uhr morgens wurden wir von einem Erdbeben geweckt. Das Epizentrum lag im Süden der Präfektur Chiba, doch auch in Tokio war das Beben deutlich zu spüren. Beim Treffen am Morgen tauschten wir uns natürlich darüber aus – manche hatten das Erdbeben offenbar sogar in ihren Traum eingebaut.

    Um 8 Uhr trafen wir uns als Gruppe und starteten mit einem ziemlich ambitionierten Tagesprogramm. Wenig später ging es mit der Bahn in Richtung Nakano und Koenji. Zum Frühstück hatten wir Marugame Seimen am Nakano Central Park eingeplant – japanische Udon gleich am Morgen waren inzwischen durchaus eine denkbare Alternative zum klassischen Frühstück geworden.

    Koenji – Architektur und ein anderes Tokio

    Von Nakano ging es weiter nach Koenji. Das Viertel zeigte noch einmal eine ganz andere Seite Tokios: kleinteiliger, entspannter und mit zahlreichen kleinen Läden, Secondhand- und Vintage-Shops. Neben dem Stadtviertel selbst standen hier zwei Gebäude auf unserer Architekturliste.

    Das ZA Koenji von Toyo Ito war dabei schon von außen kaum zu übersehen. Das Kulturzentrum wirkt mit seiner dunklen, unregelmäßig geformten Hülle beinahe wie eine große, abstrakte Figur im Stadtraum.

    Ganz anders das NA House von Sou Fujimoto: ein schmales Wohnhaus, das mit seinen übereinander gestapelten, nahezu vollständig verglasten Ebenen die Vorstellung eines klassischen Hauses ziemlich radikal infrage stellt. Gerade weil das Gebäude vergleichsweise klein ist, war es spannend, es einmal tatsächlich im städtischen Kontext zu sehen und nicht nur von den bekannten Architekturfotografien zu kennen.

    Zwischendurch blieb Zeit, ein wenig durch Koenji Pal und die umliegenden Straßen zu laufen – mit Vintage-Shops, kleinen Geschäften und all den zufälligen Entdeckungen, die bei solchen Wegen durch Tokio fast genauso interessant waren wie die geplanten Ziele.

    Omotesando und Aoyama – Architektur auf engem Raum

    Anschließend wechselten wir wieder die Gegend. Rund um Omotesando und Aoyama lagen gleich mehrere unserer nächsten Ziele erstaunlich dicht beieinander.

    Dazu gehörte SunnyHills von Kengo Kuma, dessen außergewöhnliche Holzstruktur das kleine Gebäude wie ein dreidimensionales Geflecht umschließt. Auch das Büro von Kengo Kuma & Associates, die brasilianische Botschaft, die Harajuku Church sowie weitere Gebäude lagen auf unserem Weg.

    Ein besonderes Ziel war das berühmte Tower House von Takamitsu Azuma. Das extrem schmale Wohnhaus aus den 1960er-Jahren ist ein frühes Beispiel dafür, wie Architektur in Tokio mit winzigen Grundstücken und der enormen Verdichtung der Stadt umgehen kann. Gerade nach den vielen zeitgenössischen Gebäuden der vergangenen Tage war dieser ältere, fast schon prototypische Bau besonders interessant.

    Auch das Watari Museum of Contemporary Art (Watari-um) gehörte zu unserem Rundgang. So entstand über den Nachmittag hinweg weniger eine Abfolge einzelner Sehenswürdigkeiten als vielmehr ein längerer Architekturspaziergang durch einen Teil Tokios, in dem sich auf erstaunlich engem Raum sehr unterschiedliche Jahrzehnte und Positionen japanischer Architektur begegnen.

    Weiter nach Shinjuku

    Später führte uns der Weg nach Shinjuku. Hier änderte sich der Maßstab der Stadt erneut vollkommen.

    Auf dem Programm standen unter anderem der neue Tokyu Kabukicho Tower, das Golden-Gai-Viertel mit seinem dichten Geflecht winziger Bars sowie der Mode Gakuen Cocoon Tower von Tange Associates. Mit seiner markanten, netzartigen Fassade gehört der Hochhauskomplex zu den Gebäuden, die man schon aus größerer Entfernung immer wieder zwischen den anderen Hochhäusern entdeckt.

    Ein langer Tag in Tokio

    Im Laufe des Tages wurde das Wetter zunehmend unbeständig. Auch die Energie ließ etwas nach – und so blieb diesmal einiges von unserem ambitionierten Programm offen. Manche der geplanten Stationen holten wir einfach am nächsten Tag nach, darunter das Tokyo Metropolitan Government Building von Kenzo Tange.

    Gegen 19:30 Uhr trafen wir uns wieder zum gemeinsamen Abendessen. Danach ging es zurück in Richtung Ikebukuro, wo ab etwa 21:25 Uhr noch unsere gemeinsame Reflexion des Tages vorgesehen war.

    Wie so oft in Tokio war das Programm größer als der Tag. Aber darum ging es letztlich auch nicht: Vielmehr entstand unterwegs ein immer dichteres Bild der Stadt. An diesem 11. Mai führte unser Weg vom kleinteiligen Koenji über die Architektur rund um Aoyama und Omotesando bis zu den Hochhausschluchten Shinjukus – und zeigte wieder einmal, wie viele völlig unterschiedliche Gesichter Tokio innerhalb nur eines Tages haben kann.

  • 12.05 Freitag – Tokyo – Shibuya

    12.05 Freitag – Tokyo – Shibuya

    Ein letzter Tag in Tokio

    Unser letzter vollständiger Exkursionstag als Gruppe gemeinsam in Tokio begann noch einmal mit einem ziemlich umfangreichen Programm – und zunächst ganz in der Nähe unseres Hotels in Ikebukuro.

    Eine der ersten Stationen war der Vertical Rainbow von SAKO Architects. Die schmale Fassade mit ihren vertikal angeordneten, farbigen Glaselementen setzt einen erstaunlich kräftigen Akzent in die ansonsten eher zurückhaltende Umgebung. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall überlagern sich die Farben und verändern ihre Wirkung.

    Von dort war es nicht weit zum Toshima Ward Office. Im zehnten Obergeschoss befindet sich der Toshima no Mori – Toshima Forest, ein überraschend üppiger Dachgarten mitten in der dicht bebauten Stadt. Eigentlich hatten wir geplant, dort oben zu frühstücken – mit Grün und Aussicht über Tokio. Das war allerdings nicht erlaubt. Essen durfte man im Dachgarten nicht, und so mussten wir für unser Frühstück wieder nach unten ins Gebäude. Ein kleiner Planwechsel gleich am Morgen, aber der Abstecher auf das Dach hatte sich trotzdem gelohnt.

    Tokio von oben

    Danach ging es nach Shinjuku zum Tokyo Metropolitan Government Building von Kenzo Tange. Diese Station hatten wir am Vortag nicht mehr geschafft und deshalb kurzerhand auf unseren letzten Tag verschoben.

    Die beiden weithin sichtbaren Türme gehören zu den markantesten Bauten des Tokioter Stadtbildes. In rund 202 Metern Höhe öffnete sich von der Aussichtsplattform noch einmal der Blick über die schier endlose Stadt – diesmal bei deutlich besserem Wetter.

    Direkt vor den Fenstern bot sich allerdings noch ein ganz anderes Schauspiel: Ausgerechnet während unseres Besuchs wurden die Scheiben des Hochhauses gereinigt. So schwebten die Fensterputzer in großer Höhe unmittelbar vor uns an der Fassade vorbei. Ein Arbeitsplatz mit ziemlich beeindruckender Aussicht – und definitiv nichts für Menschen mit Höhenangst.

    Kengo Kuma und Tadao Ando auf dem Campus

    Später führte unser Weg zur University of Tokyo und auf den Hongo-Campus. Zwischen dem historischen Gebäudebestand finden sich dort immer wieder bemerkenswerte zeitgenössische Eingriffe.

    Einer davon ist das Daiwa Ubiquitous Computing Research Building von Kengo Kuma. Besonders auffällig ist seine Fassade aus unterschiedlich langen Holzelementen, die wie eine zweite, unregelmäßige Haut vor dem Gebäude liegt. Das Material und die kleinteilige Struktur bilden einen starken Kontrast zu den umliegenden Universitätsbauten.

    Nur wenige Minuten später folgte mit der Fukutake Hall von Tadao Ando eine weitere architektonische Station. Damit begegneten uns auf relativ engem Raum zwei sehr unterschiedliche architektonische Handschriften – und gleichzeitig das Nebeneinander von historischer und zeitgenössischer Architektur auf dem Campus.

    Durch Nezu

    Vom Universitätsgelände ging es weiter in Richtung Nezu. Nach den großen Gebäuden, Hochhäusern und Architekturikonen zeigte sich Tokio hier wieder von einer ganz anderen Seite: kleinere Straßen, Wohnhäuser, viel Grün und zwischendurch die kleinen Beobachtungen, die auf einer solchen Reise mindestens ebenso in Erinnerung bleiben wie die großen Programmpunkte.

    Unser Weg führte uns auch zum Nezu-Schrein. Die Anlage mit ihren Torii, alten Bäumen und Gartenbereichen bildet einen bemerkenswert ruhigen Gegenpol zur dichten Großstadt ringsherum.

    Von der Nezu Station ging es schließlich mit der Chiyoda Line weiter – unser Tag war schließlich noch lange nicht vorbei.

    Noch einmal durch Tokio

    Am späteren Nachmittag führte uns unser Weg weiter durch die Stadt. Wie so oft auf dieser Exkursion wechselten sich geplante Architekturstationen mit Straßen, kleinen Entdeckungen und unerwarteten Eindrücken ab.

    Gegen Abend erreichten wir schließlich den Bereich um Asakusa und den Sumida River. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist der Asahi-Komplex kaum zu übersehen – insbesondere die Super Dry Hall mit Philippe Starcks goldener „Flamme d’Or“. Nach all den Tagen in Japan war auch dieser Blick inzwischen Teil eines Tokio geworden, das uns immer vertrauter erschien und gleichzeitig noch unendlich viel Unentdecktes bereithielt.

    Ein gemeinsamer Abschluss

    Am Abend gingen wir noch einmal gemeinsam essen.

    Und dabei gab es einen kleinen Moment, der wunderbar zu diesem letzten Tag passte: Einer unserer Teilnehmer bestellte auf Japanisch – und machte seine Sache offenbar so gut, dass er dafür ausdrücklich gelobt wurde.

    Nach knapp zwei Wochen unterwegs, unzähligen Kilometern zu Fuß, Zügen und U-Bahnen, Architektur, Ausstellungen, Tempeln, Schreinen, großen Städten und kleinen Begegnungen war das ein schöner Abschluss.

    Vielleicht war es gerade das, was diese Exkursion ausgemacht hat: Nicht nur die Gebäude und Orte, die wir vorher akribisch herausgesucht und auf unsere ohnehin meist viel zu vollen Tagesprogramme gesetzt hatten. Es waren ebenso die Dinge dazwischen – ein Frühstück, das nicht dort stattfinden durfte, wo wir es geplant hatten, Fensterputzer in schwindelerregender Höhe, eine Katze am Wegesrand, ein paar Worte Japanisch im richtigen Moment und all die kleinen Situationen, die man vorher eben nicht planen kann.

    Und vielleicht bleiben gerade diese am längsten in Erinnerung.

  • 13.05 Samstag – Tokyo – Sumida

    13.05 Samstag – Tokyo – Sumida

    Nach den vielen gemeinsamen Exkursionstagen mit einem ziemlich dichten Programm war dieser Samstag bewusst etwas freier angelegt. Die Studierenden konnten sich in kleinen Teams auf den Weg machen, noch Orte besuchen, die auf ihrer persönlichen Wunschliste standen – oder nach den vielen langen Tagen auch einfach einmal etwas länger ausschlafen.

    Eine unserer jüngeren Studentinnen wollte an diesem Tag gerne mit mir unterwegs sein. Und so machten wir uns schon am Morgen zu zweit auf den Weg, während ein guter Teil der Gruppe die Gelegenheit nutzte, zunächst einmal Schlaf nachzuholen.

    Ein Morgen in Tsukiji

    Unser erstes Ziel war der Tsukiji Outer Market. Der eigentliche Großmarkt war bereits 2018 nach Toyosu umgezogen, doch rund um das ehemalige Marktgelände ist bis heute ein lebendiges Viertel mit zahlreichen kleinen Geschäften und Verkaufsständen erhalten geblieben.

    Zwischen Fisch und Meeresprodukten, Nori, Tee, Gewürzen, Küchenutensilien und vielen anderen Dingen gab es einiges zu entdecken. Gerade am Vormittag herrschte bereits reges Treiben – ein schöner Kontrast zum etwas ruhigeren Start, den sich der Rest unserer Gruppe an diesem Morgen gönnte.

    Auf dem Weg vom Tsukiji Market Richtung Odaiba wechselten wir in die Yurikamome, die aufgeständerte, vollautomatisch fahrende Bahn durch das Hafengebiet Tokios. Schon die Fahrt war interessant: Die erhöhte Strecke eröffnete immer wieder neue Blicke auf die künstlichen Inseln und die großmaßstäbliche Architektur der Tokyo Bay. Dabei kamen wir auch am unverwechselbaren Tokyo Big Sight vorbei, dessen vier umgekehrte Pyramiden schon aus der Ferne auffallen.

    Farbe, Material und Handwerk – PIGMENT TOKYO

    Anschließend machten wir uns auf den Weg zu PIGMENT TOKYO. Schon die schiere Menge an Materialien ist beeindruckend: unzählige traditionelle japanische Pigmente in feinsten Farbabstufungen, dazu Pinsel, Tuschen und Werkzeuge zur traditionellen Farbherstellung.

    Besonders eindrucksvoll ist die lange Wand mit Hunderten unterschiedlichster Pigmenten – fast selbst schon eine Installation.

    Natürlich interessierte uns auch der Raum selbst. Die Gestaltung stammt von Kengo Kuma & Associates. Eine Decke aus unzähligen schmalen Bambuselementen zieht sich durch den langgestreckten Innenraum und bildet eine sanfte, wellenartige Struktur. Material, Handwerk und Architektur greifen hier unmittelbar ineinander – und machen aus einem Geschäft zugleich einen Ausstellungs- und Erfahrungsraum.

    Mit einem Raumschiff durch Tokio

    Danach hatten wir den Plan, Tokio noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben: vom Wasser aus.

    Noch kurz vor der Fahrt reservierten wir online unsere Plätze und standen wenig später in Odaiba vor einem Schiff, das so gar nicht nach einem gewöhnlichen Ausflugsdampfer aussah: der Hotaluna.

    Der futuristische Wasserbus wurde vom Manga-Künstler Leiji Matsumoto gestaltet. Mit seinem silbernen, fast vollständig geschlossenen Körper und den großen grünlich getönten Fensterflächen erinnert er eher an ein Raumschiff. Auch der Innenraum war für uns interessant: Er wurde von der japanischen Architektin Yuko Nagayama gestaltet.

    Von Odaiba ging es mit der Hotaluna über die Bucht und den Sumida River in Richtung Asakusa. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit: Während unserer Fahrt regnete es. Der Blick durch die großen Fenster auf die Stadt war dadurch zwar etwas grau und verhangen, hatte aber auch seinen ganz eigenen Reiz. Nach all den Kilometern, die wir Tokio in den vergangenen Tagen zu Fuß und mit Bahn und Metro durchquert hatten, war es trotzdem schön, die Stadt einmal vom Wasser aus an uns vorbeiziehen zu lassen.

    Gleichzeitig veränderte sich vom Wasser aus der Blick auf Tokio. Brücken, Hochhäuser und Uferbebauungen erschienen plötzlich in einem anderen Zusammenhang, und die sonst so dichte Stadt öffnete sich entlang des Flusses.

    In Asakusa angekommen, blieb noch Zeit für ein paar persönliche Einkäufe und Mitbringsel – unter anderem Schuhe und japanische Essstäbchen.

    Nach dem gemeinsamen Abendessen machten wir uns noch zu dritt auf den Weg zum Sensō-ji in Asakusa. Am Abend, wenn es rund um den Tempel deutlich ruhiger wird und die Gebäude beleuchtet sind, entwickelt der Ort noch einmal eine ganz andere Atmosphäre. Natürlich probierten wir auch die traditionellen Omikuji aus: Stäbchen ziehen, die passende Schublade finden und gespannt nachsehen, welches Glück – oder Unglück – einem vorhergesagt wurde.

    Ryōgoku am Abend

    Danach zogen die beiden gemeinsam weiter, während ich die verbleibende Zeit für einen kleinen Architekturabstecher auf eigene Faust nutzte.

    Mein Weg führte nach Ryōgoku zum Sumida Hokusai Museum von Kazuyo Sejima. Für einen Besuch war es inzwischen zu spät, doch auch von außen ist das Gebäude ausgesprochen sehenswert. Seine leicht spiegelnde Aluminiumhaut und die tiefen, diagonal eingeschnittenen Öffnungen lassen den Baukörper beinahe wie mehrere voneinander getrennte Volumen erscheinen.

    Gerade am Abend entwickelte das Gebäude eine ganz besondere Wirkung. Die silbrigen Fassadenflächen reflektierten das Licht der Umgebung, während die Einschnitte und Zugänge wie dunkle geometrische Schnitte im Baukörper erschienen.

    Ganz in der Nähe stand noch ein völlig anderer Museumsbau: das monumentale Edo-Tokyo Museum. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen. Seine gewaltige, aufgeständerte Konstruktion konnte ich deshalb ebenfalls nur von außen betrachten – bei Nacht wirkte sie beinahe noch eigenwilliger und monumentaler.

    Das Hokusai Museum dagegen sollte ich schon am nächsten Tag wiedersehen. Diesmal bei Tageslicht – und dann auch von innen mit einem Ausstellungsbesuch.

    Tokio auf eigenen Wegen

    Nach den vielen gemeinsam geplanten und dicht gefüllten Exkursionstagen war dieser Samstag bewusst etwas offener. Jeder konnte noch einmal eigene Schwerpunkte setzen. Für uns führte der Tag vom morgendlichen Tsukiji über PIGMENT und eine verregnete, aber besondere Fahrt mit der Hotaluna bis nach Asakusa – und für mich schließlich noch zu einem nächtlichen Architekturspaziergang durch Ryōgoku.

  • 14.05 Rückreise – Tokyo – München

    14.05 Rückreise – Tokyo – München

    Der letzte Tag begann noch einmal ganz ruhig mit einem Frühstück bei Starbucks. Eine besonders sympathische Mitarbeiterin hatte mir ein kleines „Thank you“ mit Herz an den Becher gehängt. Und obwohl ich etwas um die Ecke saß, entdeckte sie mich beim Hinausgehen noch und winkte mir zum Abschied zu. Eine kleine, unerwartet herzliche Begegnung am Morgen.

    Der letzte Tag unserer Japan-Exkursion begann etwas anders als die Tage zuvor. Der Rückflug war erst spät am Abend angesetzt, und so machte ich mich zunächst allein auf den Weg zum Flughafen Haneda, um mein Gepäck dort unterzubringen. Danach ging es noch einmal zurück in die Stadt. Die verbleibenden Stunden wollte ich schließlich nicht am Flughafen verbringen – und Tokio bot noch genügend Möglichkeiten für einen letzten Streifzug.

    Mein Weg führte mich zunächst nach Ginza. Noch einmal durch die Straßen dieses Viertels zu laufen, zwischen großen Kaufhäusern, aufwendig gestalteten Fassaden und kleinen Entdeckungen dazwischen, fühlte sich bereits ein wenig wie ein Abschied an. 

    Bei Ginza Itoya, dem traditionsreichen Geschäft für Papier- und Schreibwaren, besorgte ich noch einige Geschenke und Mitbringsel. Ein ziemlich passender Ort für die letzten Einkäufe: Papier, Stifte, Karten und all die kleinen Dinge, bei denen Gestaltung und japanische Alltagskultur ganz selbstverständlich zusammenkommen.

    Dort ließ ich mir auch noch einen persönlichen Stempel anfertigen. Mein Name sorgte zunächst für etwas Überraschung und stellte die Mitarbeiter vor eine kleine Herausforderung. Umso mehr freute mich, wie sehr sie sich bemühten, den Stempel trotz der knappen Zeit noch für mich zu realisieren. Eine weitere dieser kleinen, freundlichen Begegnungen, die mir von diesem letzten Tag besonders in Erinnerung geblieben sind.

    Danach blieb tatsächlich noch Zeit für einen letzten Museumsbesuch. Auch das passte zu dieser Reise: Selbst am Abreisetag ließ sich noch etwas entdecken, ansehen und mitnehmen – zumindest als Erinnerung.

    Eine meiner letzten Stationen war schließlich das 2D Café. Darüber habe ich bereits einen eigenen Beitrag geschrieben – https://exkursion.d-sign.zone/japan/2023/05/15/2d-cafe-in-shinokubo-wie-ein-comic/. Mit seiner schwarz-weißen, wie gezeichnet wirkenden Raumgestaltung war es noch einmal ein ziemlich ungewöhnlicher Abschluss meiner Streifzüge durch Tokio.

    Dann wurde es endgültig Zeit, zum Flughafen zurückzufahren. Dort traf ich die Gruppe wieder, und aus dem individuellen letzten Tag wurde wieder unsere gemeinsame Rückreise. Etwas überrascht waren wir allerdings davon, wie ruhig Haneda zu dieser späten Stunde bereits war. Obwohl unser Flug erst sehr spät startete, war kaum noch etwas geöffnet. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, die Wartezeit noch ein wenig nutzen zu können – stattdessen wurde es ein eher stiller Abschied von Japan.

    Nach dem Abflug folgte, wie schon auf der Hinreise, ein Zwischenstopp in Helsinki. Doch auch dort: fast alles geschlossen. Nach den intensiven Tagen in Osaka, Kyoto, Nagoya und Tokio bildeten die stillen, nächtlichen Flughäfen einen eigenartigen Kontrast.

    Und irgendwann saßen wir tatsächlich im letzten Flugzeug Richtung Deutschland. Hinter uns lagen zwei Wochen voller Architektur, Ausstellungen und Museen, langer Wege durch die Städte, Bahnfahrten, unerwarteter Begegnungen, kleiner Pannen und vieler Entdeckungen.

    Vielleicht passte es deshalb ganz gut, dass auch der letzte Tag nicht einfach nur aus „zum Flughafen fahren und abreisen“ bestand. Bis zuletzt blieb noch Zeit für ein paar neue Eindrücke – und für einen letzten, diesmal ganz eigenen Weg durch Tokio.

  • 15.05 Über den Pol zurück nach Hause

    15.05 Über den Pol zurück nach Hause

    Nach den letzten Stunden in Tokio ging es am Abend endgültig zum Flughafen Haneda und damit auf die Heimreise. Nach zwei intensiven Wochen in Japan lagen nun viele Stunden Flug vor uns.

    Auch an Bord gab es noch ein letztes Stück Japan: das erste Essen des langen Rückflugs mit Japan Airlines. Danach blieb reichlich Zeit, auf dem Bildschirm immer wieder zu verfolgen, wo wir uns gerade befanden.

    Und die Flugroute war tatsächlich spannend. Von Tokio führte sie zunächst weit nach Norden und anschließend über die Polarregion in Richtung Helsinki. Auf der Karte des Bordmonitors konnte man sehr schön beobachten, wie weit nördlich wir unterwegs waren. Irgendwann befanden wir uns über einer Landschaft, die auf der Karte fast nur noch aus Eis zu bestehen schien.

    Am Morgen des 15. Mai wurde es dann auch draußen interessant. Unter uns tauchte eine nahezu endlose, zerklüftete Landschaft aus Schnee und Eis auf. Dummerweise hatte ich zunächst gar nicht realisiert, dass sich die Flugzeugfenster elektronisch abgedunkelt hatten. Statt einer klassischen Fensterblende ließ sich die Scheibe stufenweise tönen – und so entstanden erst einmal ziemlich surreal anmutende Aufnahmen in kräftigen Rosa- und Violetttönen.

    Ein wenig ärgerlich war das schon, denn gerade diese Landschaft wollte ich natürlich möglichst unverfälscht fotografieren. Ganz verloren war die Gelegenheit zum Glück nicht: Später gelang doch noch ein klarer Blick durch das Fenster. Plötzlich lagen die schneebedeckten Berge, Täler und Eisflächen in ihren tatsächlichen Farben unter uns – und erst da wurde richtig sichtbar, über welch gewaltige Landschaft wir gerade flogen.

    Im Nachhinein mag ich fast beide Arten von Bildern: die violett verfremdeten Aufnahmen als etwas eigenwilliges Dokument der modernen Flugzeugtechnik – und den klaren Blick auf die Polarlandschaft als Erinnerung daran, was sich tatsächlich unter uns befand.

    Nach all den Städten, Gebäuden, Ausstellungen, Bahnfahrten, Begegnungen und vielen Kilometern zu Fuß war dieser stille Blick aus dem Flugzeug ein ziemlich passender Abschluss unserer Reise: Japan lag hinter uns – und weit unter uns zog die eisige Landschaft des Nordens vorbei.

    Nach der Landung in Helsinki hieß es noch einmal umsteigen, bevor es auf der letzten Etappe weiter nach Deutschland ging. Und damit waren wir – nach über zwei ziemlich intensiven Wochen in Japan – tatsächlich wieder auf dem Heimweg.

  • 15.05. – 17.05 Vorbereitung CDO

    15.05. – 17.05 Vorbereitung CDO

    Kaum zurück aus Japan blieb zunächst wenig Zeit, die vielen Eindrücke einfach nur nachwirken zu lassen. Schon Mitte der Woche standen die Tage der offenen Tür vor der Tür – und damit die nächste Herausforderung: Unsere Exkursion sollte innerhalb kürzester Zeit in eine Ausstellung übersetzt werden.

    In den wenigen Tagen dazwischen wurde deshalb noch einmal intensiv gearbeitet. Wir sichteten und sammelten Fotos, Filme und weitere Fundstücke der Reise, trafen eine Auswahl und überlegten gemeinsam, wie sich die Vielzahl der Eindrücke so präsentieren lässt, dass auch andere etwas von unserer Reise erfahren können. Aus vielen einzelnen Momenten, Orten und Beobachtungen entstand nach und nach ein gemeinsames Bild.

    Parallel bereitete ich in der kurzen Zeit bis zur Ausstellung noch eine 360°-Tour vor, in der sich ausgewählte Stationen und Eindrücke unserer Reise räumlich erkunden ließen.

    Auch einige der Ideen, die unterwegs entstanden waren, fanden ihren Weg in die Ausstellung. Stempel wurden entworfen und realisiert, Bilder zusammengestellt, Filme vorbereitet und die unterschiedlichen Materialien zu einer Präsentation verbunden. So wurde aus der Exkursion innerhalb weniger Tage noch einmal etwas Neues: eine Ausstellung, in der wir unsere Erlebnisse, Entdeckungen und Erinnerungen mit anderen teilen konnten.

    Die Vorbereitung war intensiv – besonders nach den vielen Tagen unterwegs und der langen Rückreise. Viel Zeit zum Ausruhen gab es nicht. Umso schöner war es zu erleben, wie gut am Ende alles zusammenkam und wie viel Interesse unsere Präsentation bei den Besucherinnen und Besuchern weckte.

    Die Tage der offenen Tür waren für uns ein rundum erfolgreicher Abschluss. Wir waren froh und auch ein wenig stolz darauf, was wir in so kurzer Zeit gemeinsam auf die Beine gestellt hatten – gleichzeitig aber auch ziemlich erschöpft und müde.

    Eine kleine Erinnerung vom Rückflug bekam während der Tage der offenen Tür schließlich noch ihren ganz eigenen Auftritt. Zwei Studierende hatten im Flugzeug mit einer Flugbegleiterin einen kleinen Tausch gemacht und dabei finnischen Blaubeersaft bekommen. Im Gegenzug hatten auch sie ihr eine Kleinigkeit geschenkt.

    Den Blaubeersaft hatten wir tatsächlich bis nach Hause gebracht – und während der Tage der offenen Tür war dann der richtige Moment gekommen, ihn gemeinsam zu öffnen. So konnten wir noch einmal auf unsere Reise, die vielen Erlebnisse und schließlich auch auf die gemeinsam geschaffte Ausstellung anstoßen.

    Und vielleicht war genau das ein passendes Ende dieser Exkursion: Nach über mehr als zwei intensiven Wochen voller Architektur, Städte, Begegnungen, Wege, Bilder und gemeinsamer Erlebnisse wurde das Erlebte noch einmal gemeinsam sortiert, gestaltet und sichtbar gemacht.

    Danach durfte die Reise dann tatsächlich langsam zu Ende gehen.