Nach den vielen gemeinsamen Exkursionstagen mit einem ziemlich dichten Programm war dieser Samstag bewusst etwas freier angelegt. Die Studierenden konnten sich in kleinen Teams auf den Weg machen, noch Orte besuchen, die auf ihrer persönlichen Wunschliste standen – oder nach den vielen langen Tagen auch einfach einmal etwas länger ausschlafen.
Eine unserer jüngeren Studentinnen wollte an diesem Tag gerne mit mir unterwegs sein. Und so machten wir uns schon am Morgen zu zweit auf den Weg, während ein guter Teil der Gruppe die Gelegenheit nutzte, zunächst einmal Schlaf nachzuholen.
Ein Morgen in Tsukiji
Unser erstes Ziel war der Tsukiji Outer Market. Der eigentliche Großmarkt war bereits 2018 nach Toyosu umgezogen, doch rund um das ehemalige Marktgelände ist bis heute ein lebendiges Viertel mit zahlreichen kleinen Geschäften und Verkaufsständen erhalten geblieben.


Zwischen Fisch und Meeresprodukten, Nori, Tee, Gewürzen, Küchenutensilien und vielen anderen Dingen gab es einiges zu entdecken. Gerade am Vormittag herrschte bereits reges Treiben – ein schöner Kontrast zum etwas ruhigeren Start, den sich der Rest unserer Gruppe an diesem Morgen gönnte.



Auf dem Weg vom Tsukiji Market Richtung Odaiba wechselten wir in die Yurikamome, die aufgeständerte, vollautomatisch fahrende Bahn durch das Hafengebiet Tokios. Schon die Fahrt war interessant: Die erhöhte Strecke eröffnete immer wieder neue Blicke auf die künstlichen Inseln und die großmaßstäbliche Architektur der Tokyo Bay. Dabei kamen wir auch am unverwechselbaren Tokyo Big Sight vorbei, dessen vier umgekehrte Pyramiden schon aus der Ferne auffallen.


Farbe, Material und Handwerk – PIGMENT TOKYO
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu PIGMENT TOKYO. Schon die schiere Menge an Materialien ist beeindruckend: unzählige traditionelle japanische Pigmente in feinsten Farbabstufungen, dazu Pinsel, Tuschen und Werkzeuge zur traditionellen Farbherstellung.
Besonders eindrucksvoll ist die lange Wand mit Hunderten unterschiedlichster Pigmenten – fast selbst schon eine Installation.
Natürlich interessierte uns auch der Raum selbst. Die Gestaltung stammt von Kengo Kuma & Associates. Eine Decke aus unzähligen schmalen Bambuselementen zieht sich durch den langgestreckten Innenraum und bildet eine sanfte, wellenartige Struktur. Material, Handwerk und Architektur greifen hier unmittelbar ineinander – und machen aus einem Geschäft zugleich einen Ausstellungs- und Erfahrungsraum.


Mit einem Raumschiff durch Tokio
Danach hatten wir den Plan, Tokio noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben: vom Wasser aus.
Noch kurz vor der Fahrt reservierten wir online unsere Plätze und standen wenig später in Odaiba vor einem Schiff, das so gar nicht nach einem gewöhnlichen Ausflugsdampfer aussah: der Hotaluna.
Der futuristische Wasserbus wurde vom Manga-Künstler Leiji Matsumoto gestaltet. Mit seinem silbernen, fast vollständig geschlossenen Körper und den großen grünlich getönten Fensterflächen erinnert er eher an ein Raumschiff. Auch der Innenraum war für uns interessant: Er wurde von der japanischen Architektin Yuko Nagayama gestaltet.
Von Odaiba ging es mit der Hotaluna über die Bucht und den Sumida River in Richtung Asakusa. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit: Während unserer Fahrt regnete es. Der Blick durch die großen Fenster auf die Stadt war dadurch zwar etwas grau und verhangen, hatte aber auch seinen ganz eigenen Reiz. Nach all den Kilometern, die wir Tokio in den vergangenen Tagen zu Fuß und mit Bahn und Metro durchquert hatten, war es trotzdem schön, die Stadt einmal vom Wasser aus an uns vorbeiziehen zu lassen.
Gleichzeitig veränderte sich vom Wasser aus der Blick auf Tokio. Brücken, Hochhäuser und Uferbebauungen erschienen plötzlich in einem anderen Zusammenhang, und die sonst so dichte Stadt öffnete sich entlang des Flusses.



In Asakusa angekommen, blieb noch Zeit für ein paar persönliche Einkäufe und Mitbringsel – unter anderem Schuhe und japanische Essstäbchen.




Nach dem gemeinsamen Abendessen machten wir uns noch zu dritt auf den Weg zum Sensō-ji in Asakusa. Am Abend, wenn es rund um den Tempel deutlich ruhiger wird und die Gebäude beleuchtet sind, entwickelt der Ort noch einmal eine ganz andere Atmosphäre. Natürlich probierten wir auch die traditionellen Omikuji aus: Stäbchen ziehen, die passende Schublade finden und gespannt nachsehen, welches Glück – oder Unglück – einem vorhergesagt wurde.






Ryōgoku am Abend
Danach zogen die beiden gemeinsam weiter, während ich die verbleibende Zeit für einen kleinen Architekturabstecher auf eigene Faust nutzte.

Mein Weg führte nach Ryōgoku zum Sumida Hokusai Museum von Kazuyo Sejima. Für einen Besuch war es inzwischen zu spät, doch auch von außen ist das Gebäude ausgesprochen sehenswert. Seine leicht spiegelnde Aluminiumhaut und die tiefen, diagonal eingeschnittenen Öffnungen lassen den Baukörper beinahe wie mehrere voneinander getrennte Volumen erscheinen.
Gerade am Abend entwickelte das Gebäude eine ganz besondere Wirkung. Die silbrigen Fassadenflächen reflektierten das Licht der Umgebung, während die Einschnitte und Zugänge wie dunkle geometrische Schnitte im Baukörper erschienen.



Ganz in der Nähe stand noch ein völlig anderer Museumsbau: das monumentale Edo-Tokyo Museum. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen. Seine gewaltige, aufgeständerte Konstruktion konnte ich deshalb ebenfalls nur von außen betrachten – bei Nacht wirkte sie beinahe noch eigenwilliger und monumentaler.

Das Hokusai Museum dagegen sollte ich schon am nächsten Tag wiedersehen. Diesmal bei Tageslicht – und dann auch von innen mit einem Ausstellungsbesuch.
Tokio auf eigenen Wegen
Nach den vielen gemeinsam geplanten und dicht gefüllten Exkursionstagen war dieser Samstag bewusst etwas offener. Jeder konnte noch einmal eigene Schwerpunkte setzen. Für uns führte der Tag vom morgendlichen Tsukiji über PIGMENT und eine verregnete, aber besondere Fahrt mit der Hotaluna bis nach Asakusa – und für mich schließlich noch zu einem nächtlichen Architekturspaziergang durch Ryōgoku.