12.05 Freitag – Tokyo – Shibuya

Ein letzter Tag in Tokio

Unser letzter vollständiger Exkursionstag als Gruppe gemeinsam in Tokio begann noch einmal mit einem ziemlich umfangreichen Programm – und zunächst ganz in der Nähe unseres Hotels in Ikebukuro.

Eine der ersten Stationen war der Vertical Rainbow von SAKO Architects. Die schmale Fassade mit ihren vertikal angeordneten, farbigen Glaselementen setzt einen erstaunlich kräftigen Akzent in die ansonsten eher zurückhaltende Umgebung. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall überlagern sich die Farben und verändern ihre Wirkung.

Von dort war es nicht weit zum Toshima Ward Office. Im zehnten Obergeschoss befindet sich der Toshima no Mori – Toshima Forest, ein überraschend üppiger Dachgarten mitten in der dicht bebauten Stadt. Eigentlich hatten wir geplant, dort oben zu frühstücken – mit Grün und Aussicht über Tokio. Das war allerdings nicht erlaubt. Essen durfte man im Dachgarten nicht, und so mussten wir für unser Frühstück wieder nach unten ins Gebäude. Ein kleiner Planwechsel gleich am Morgen, aber der Abstecher auf das Dach hatte sich trotzdem gelohnt.

Tokio von oben

Danach ging es nach Shinjuku zum Tokyo Metropolitan Government Building von Kenzo Tange. Diese Station hatten wir am Vortag nicht mehr geschafft und deshalb kurzerhand auf unseren letzten Tag verschoben.

Die beiden weithin sichtbaren Türme gehören zu den markantesten Bauten des Tokioter Stadtbildes. In rund 202 Metern Höhe öffnete sich von der Aussichtsplattform noch einmal der Blick über die schier endlose Stadt – diesmal bei deutlich besserem Wetter.

Direkt vor den Fenstern bot sich allerdings noch ein ganz anderes Schauspiel: Ausgerechnet während unseres Besuchs wurden die Scheiben des Hochhauses gereinigt. So schwebten die Fensterputzer in großer Höhe unmittelbar vor uns an der Fassade vorbei. Ein Arbeitsplatz mit ziemlich beeindruckender Aussicht – und definitiv nichts für Menschen mit Höhenangst.

Kengo Kuma und Tadao Ando auf dem Campus

Später führte unser Weg zur University of Tokyo und auf den Hongo-Campus. Zwischen dem historischen Gebäudebestand finden sich dort immer wieder bemerkenswerte zeitgenössische Eingriffe.

Einer davon ist das Daiwa Ubiquitous Computing Research Building von Kengo Kuma. Besonders auffällig ist seine Fassade aus unterschiedlich langen Holzelementen, die wie eine zweite, unregelmäßige Haut vor dem Gebäude liegt. Das Material und die kleinteilige Struktur bilden einen starken Kontrast zu den umliegenden Universitätsbauten.

Nur wenige Minuten später folgte mit der Fukutake Hall von Tadao Ando eine weitere architektonische Station. Damit begegneten uns auf relativ engem Raum zwei sehr unterschiedliche architektonische Handschriften – und gleichzeitig das Nebeneinander von historischer und zeitgenössischer Architektur auf dem Campus.

Durch Nezu

Vom Universitätsgelände ging es weiter in Richtung Nezu. Nach den großen Gebäuden, Hochhäusern und Architekturikonen zeigte sich Tokio hier wieder von einer ganz anderen Seite: kleinere Straßen, Wohnhäuser, viel Grün und zwischendurch die kleinen Beobachtungen, die auf einer solchen Reise mindestens ebenso in Erinnerung bleiben wie die großen Programmpunkte.

Unser Weg führte uns auch zum Nezu-Schrein. Die Anlage mit ihren Torii, alten Bäumen und Gartenbereichen bildet einen bemerkenswert ruhigen Gegenpol zur dichten Großstadt ringsherum.

Von der Nezu Station ging es schließlich mit der Chiyoda Line weiter – unser Tag war schließlich noch lange nicht vorbei.

Noch einmal durch Tokio

Am späteren Nachmittag führte uns unser Weg weiter durch die Stadt. Wie so oft auf dieser Exkursion wechselten sich geplante Architekturstationen mit Straßen, kleinen Entdeckungen und unerwarteten Eindrücken ab.

Gegen Abend erreichten wir schließlich den Bereich um Asakusa und den Sumida River. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist der Asahi-Komplex kaum zu übersehen – insbesondere die Super Dry Hall mit Philippe Starcks goldener „Flamme d’Or“. Nach all den Tagen in Japan war auch dieser Blick inzwischen Teil eines Tokio geworden, das uns immer vertrauter erschien und gleichzeitig noch unendlich viel Unentdecktes bereithielt.

Ein gemeinsamer Abschluss

Am Abend gingen wir noch einmal gemeinsam essen.

Und dabei gab es einen kleinen Moment, der wunderbar zu diesem letzten Tag passte: Einer unserer Teilnehmer bestellte auf Japanisch – und machte seine Sache offenbar so gut, dass er dafür ausdrücklich gelobt wurde.

Nach knapp zwei Wochen unterwegs, unzähligen Kilometern zu Fuß, Zügen und U-Bahnen, Architektur, Ausstellungen, Tempeln, Schreinen, großen Städten und kleinen Begegnungen war das ein schöner Abschluss.

Vielleicht war es gerade das, was diese Exkursion ausgemacht hat: Nicht nur die Gebäude und Orte, die wir vorher akribisch herausgesucht und auf unsere ohnehin meist viel zu vollen Tagesprogramme gesetzt hatten. Es waren ebenso die Dinge dazwischen – ein Frühstück, das nicht dort stattfinden durfte, wo wir es geplant hatten, Fensterputzer in schwindelerregender Höhe, eine Katze am Wegesrand, ein paar Worte Japanisch im richtigen Moment und all die kleinen Situationen, die man vorher eben nicht planen kann.

Und vielleicht bleiben gerade diese am längsten in Erinnerung.