Der letzte Tag in Tokio. Nach mehreren Wochen gemeinsam mit der Exkursionsgruppe begann dieser Morgen früh und ungewohnt allein. Das Gepäck war bereits auf dem Weg zum Flughafen – und bis zur Rückreise blieb noch etwas Zeit, um einen letzten Moment für mich allein in dieser Stadt zu verbringen.
Mein Weg führte mich nach Shin-Ōkubo und in das 2D Cafe.
Der Ort
Beim Betreten scheint der dreidimensionale Raum plötzlich zur Zeichnung zu werden. Wände, Möbel und Einbauten sind nahezu vollständig auf Schwarz und Weiß reduziert. Dunkle Konturen zeichnen Kanten und Details nach und erzeugen den Eindruck, mitten in einer Comic-Illustration zu sitzen.
Das Detail
Die Inszenierung setzt sich bis auf den Tisch fort: Der 2D Cake greift mit seinen dunklen Konturen die grafische Gestaltung des Raumes auf. Daneben ein Strawberry Milk Tapioca aus Erdbeeren, Milch und schwarzen Tapiokaperlen.
Während der Raum beinahe vollständig in Schwarz und Weiß gehalten ist, bringen Kuchen und Getränk Farbe ins Bild. Realität und Zeichnung beginnen sich zu überlagern.
Der Gedanke
Vielleicht war es gerade am letzten Tag ein passender Ort: Nach Wochen voller gemeinsamer Eindrücke noch einmal allein in Tokio zu sitzen – in einem Raum, der die wirkliche Stadt für einen Moment wie eine Zeichnung erscheinen lässt.
Ein kleiner Zwischenraum zwischen Exkursion und Rückreise.
Kaum zurück aus Japan blieb zunächst wenig Zeit, die vielen Eindrücke einfach nur nachwirken zu lassen. Schon Mitte der Woche standen die Tage der offenen Tür vor der Tür – und damit die nächste Herausforderung: Unsere Exkursion sollte innerhalb kürzester Zeit in eine Ausstellung übersetzt werden.
In den wenigen Tagen dazwischen wurde deshalb noch einmal intensiv gearbeitet. Wir sichteten und sammelten Fotos, Filme und weitere Fundstücke der Reise, trafen eine Auswahl und überlegten gemeinsam, wie sich die Vielzahl der Eindrücke so präsentieren lässt, dass auch andere etwas von unserer Reise erfahren können. Aus vielen einzelnen Momenten, Orten und Beobachtungen entstand nach und nach ein gemeinsames Bild.
Parallel bereitete ich in der kurzen Zeit bis zur Ausstellung noch eine 360°-Tour vor, in der sich ausgewählte Stationen und Eindrücke unserer Reise räumlich erkunden ließen.
Auch einige der Ideen, die unterwegs entstanden waren, fanden ihren Weg in die Ausstellung. Stempel wurden entworfen und realisiert, Bilder zusammengestellt, Filme vorbereitet und die unterschiedlichen Materialien zu einer Präsentation verbunden. So wurde aus der Exkursion innerhalb weniger Tage noch einmal etwas Neues: eine Ausstellung, in der wir unsere Erlebnisse, Entdeckungen und Erinnerungen mit anderen teilen konnten.
Die Vorbereitung war intensiv – besonders nach den vielen Tagen unterwegs und der langen Rückreise. Viel Zeit zum Ausruhen gab es nicht. Umso schöner war es zu erleben, wie gut am Ende alles zusammenkam und wie viel Interesse unsere Präsentation bei den Besucherinnen und Besuchern weckte.
Die Tage der offenen Tür waren für uns ein rundum erfolgreicher Abschluss. Wir waren froh und auch ein wenig stolz darauf, was wir in so kurzer Zeit gemeinsam auf die Beine gestellt hatten – gleichzeitig aber auch ziemlich erschöpft und müde.
Eine kleine Erinnerung vom Rückflug bekam während der Tage der offenen Tür schließlich noch ihren ganz eigenen Auftritt. Zwei Studierende hatten im Flugzeug mit einer Flugbegleiterin einen kleinen Tausch gemacht und dabei finnischen Blaubeersaft bekommen. Im Gegenzug hatten auch sie ihr eine Kleinigkeit geschenkt.
Den Blaubeersaft hatten wir tatsächlich bis nach Hause gebracht – und während der Tage der offenen Tür war dann der richtige Moment gekommen, ihn gemeinsam zu öffnen. So konnten wir noch einmal auf unsere Reise, die vielen Erlebnisse und schließlich auch auf die gemeinsam geschaffte Ausstellung anstoßen.
Und vielleicht war genau das ein passendes Ende dieser Exkursion: Nach über mehr als zwei intensiven Wochen voller Architektur, Städte, Begegnungen, Wege, Bilder und gemeinsamer Erlebnisse wurde das Erlebte noch einmal gemeinsam sortiert, gestaltet und sichtbar gemacht.
Danach durfte die Reise dann tatsächlich langsam zu Ende gehen.
Nach den letzten Stunden in Tokio ging es am Abend endgültig zum Flughafen Haneda und damit auf die Heimreise. Nach zwei intensiven Wochen in Japan lagen nun viele Stunden Flug vor uns.
Auch an Bord gab es noch ein letztes Stück Japan: das erste Essen des langen Rückflugs mit Japan Airlines. Danach blieb reichlich Zeit, auf dem Bildschirm immer wieder zu verfolgen, wo wir uns gerade befanden.
Und die Flugroute war tatsächlich spannend. Von Tokio führte sie zunächst weit nach Norden und anschließend über die Polarregion in Richtung Helsinki. Auf der Karte des Bordmonitors konnte man sehr schön beobachten, wie weit nördlich wir unterwegs waren. Irgendwann befanden wir uns über einer Landschaft, die auf der Karte fast nur noch aus Eis zu bestehen schien.
Am Morgen des 15. Mai wurde es dann auch draußen interessant. Unter uns tauchte eine nahezu endlose, zerklüftete Landschaft aus Schnee und Eis auf. Dummerweise hatte ich zunächst gar nicht realisiert, dass sich die Flugzeugfenster elektronisch abgedunkelt hatten. Statt einer klassischen Fensterblende ließ sich die Scheibe stufenweise tönen – und so entstanden erst einmal ziemlich surreal anmutende Aufnahmen in kräftigen Rosa- und Violetttönen.
Ein wenig ärgerlich war das schon, denn gerade diese Landschaft wollte ich natürlich möglichst unverfälscht fotografieren. Ganz verloren war die Gelegenheit zum Glück nicht: Später gelang doch noch ein klarer Blick durch das Fenster. Plötzlich lagen die schneebedeckten Berge, Täler und Eisflächen in ihren tatsächlichen Farben unter uns – und erst da wurde richtig sichtbar, über welch gewaltige Landschaft wir gerade flogen.
Im Nachhinein mag ich fast beide Arten von Bildern: die violett verfremdeten Aufnahmen als etwas eigenwilliges Dokument der modernen Flugzeugtechnik – und den klaren Blick auf die Polarlandschaft als Erinnerung daran, was sich tatsächlich unter uns befand.
Nach all den Städten, Gebäuden, Ausstellungen, Bahnfahrten, Begegnungen und vielen Kilometern zu Fuß war dieser stille Blick aus dem Flugzeug ein ziemlich passender Abschluss unserer Reise: Japan lag hinter uns – und weit unter uns zog die eisige Landschaft des Nordens vorbei.
Nach der Landung in Helsinki hieß es noch einmal umsteigen, bevor es auf der letzten Etappe weiter nach Deutschland ging. Und damit waren wir – nach über zwei ziemlich intensiven Wochen in Japan – tatsächlich wieder auf dem Heimweg.
Der letzte Tag begann noch einmal ganz ruhig mit einem Frühstück bei Starbucks. Eine besonders sympathische Mitarbeiterin hatte mir ein kleines „Thank you“ mit Herz an den Becher gehängt. Und obwohl ich etwas um die Ecke saß, entdeckte sie mich beim Hinausgehen noch und winkte mir zum Abschied zu. Eine kleine, unerwartet herzliche Begegnung am Morgen.
Der letzte Tag unserer Japan-Exkursion begann etwas anders als die Tage zuvor. Der Rückflug war erst spät am Abend angesetzt, und so machte ich mich zunächst allein auf den Weg zum Flughafen Haneda, um mein Gepäck dort unterzubringen. Danach ging es noch einmal zurück in die Stadt. Die verbleibenden Stunden wollte ich schließlich nicht am Flughafen verbringen – und Tokio bot noch genügend Möglichkeiten für einen letzten Streifzug.
Mein Weg führte mich zunächst nach Ginza. Noch einmal durch die Straßen dieses Viertels zu laufen, zwischen großen Kaufhäusern, aufwendig gestalteten Fassaden und kleinen Entdeckungen dazwischen, fühlte sich bereits ein wenig wie ein Abschied an.
Bei Ginza Itoya, dem traditionsreichen Geschäft für Papier- und Schreibwaren, besorgte ich noch einige Geschenke und Mitbringsel. Ein ziemlich passender Ort für die letzten Einkäufe: Papier, Stifte, Karten und all die kleinen Dinge, bei denen Gestaltung und japanische Alltagskultur ganz selbstverständlich zusammenkommen.
Dort ließ ich mir auch noch einen persönlichen Stempel anfertigen. Mein Name sorgte zunächst für etwas Überraschung und stellte die Mitarbeiter vor eine kleine Herausforderung. Umso mehr freute mich, wie sehr sie sich bemühten, den Stempel trotz der knappen Zeit noch für mich zu realisieren. Eine weitere dieser kleinen, freundlichen Begegnungen, die mir von diesem letzten Tag besonders in Erinnerung geblieben sind.
Danach blieb tatsächlich noch Zeit für einen letzten Museumsbesuch. Auch das passte zu dieser Reise: Selbst am Abreisetag ließ sich noch etwas entdecken, ansehen und mitnehmen – zumindest als Erinnerung.
Eine meiner letzten Stationen war schließlich das 2D Café. Darüber habe ich bereits einen eigenen Beitrag geschrieben – https://exkursion.d-sign.zone/japan/2023/05/15/2d-cafe-in-shinokubo-wie-ein-comic/. Mit seiner schwarz-weißen, wie gezeichnet wirkenden Raumgestaltung war es noch einmal ein ziemlich ungewöhnlicher Abschluss meiner Streifzüge durch Tokio.
Dann wurde es endgültig Zeit, zum Flughafen zurückzufahren. Dort traf ich die Gruppe wieder, und aus dem individuellen letzten Tag wurde wieder unsere gemeinsame Rückreise. Etwas überrascht waren wir allerdings davon, wie ruhig Haneda zu dieser späten Stunde bereits war. Obwohl unser Flug erst sehr spät startete, war kaum noch etwas geöffnet. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, die Wartezeit noch ein wenig nutzen zu können – stattdessen wurde es ein eher stiller Abschied von Japan.
Nach dem Abflug folgte, wie schon auf der Hinreise, ein Zwischenstopp in Helsinki. Doch auch dort: fast alles geschlossen. Nach den intensiven Tagen in Osaka, Kyoto, Nagoya und Tokio bildeten die stillen, nächtlichen Flughäfen einen eigenartigen Kontrast.
Und irgendwann saßen wir tatsächlich im letzten Flugzeug Richtung Deutschland. Hinter uns lagen zwei Wochen voller Architektur, Ausstellungen und Museen, langer Wege durch die Städte, Bahnfahrten, unerwarteter Begegnungen, kleiner Pannen und vieler Entdeckungen.
Vielleicht passte es deshalb ganz gut, dass auch der letzte Tag nicht einfach nur aus „zum Flughafen fahren und abreisen“ bestand. Bis zuletzt blieb noch Zeit für ein paar neue Eindrücke – und für einen letzten, diesmal ganz eigenen Weg durch Tokio.
Nach den vielen gemeinsamen Exkursionstagen mit einem ziemlich dichten Programm war dieser Samstag bewusst etwas freier angelegt. Die Studierenden konnten sich in kleinen Teams auf den Weg machen, noch Orte besuchen, die auf ihrer persönlichen Wunschliste standen – oder nach den vielen langen Tagen auch einfach einmal etwas länger ausschlafen.
Eine unserer jüngeren Studentinnen wollte an diesem Tag gerne mit mir unterwegs sein. Und so machten wir uns schon am Morgen zu zweit auf den Weg, während ein guter Teil der Gruppe die Gelegenheit nutzte, zunächst einmal Schlaf nachzuholen.
Ein Morgen in Tsukiji
Unser erstes Ziel war der Tsukiji Outer Market. Der eigentliche Großmarkt war bereits 2018 nach Toyosu umgezogen, doch rund um das ehemalige Marktgelände ist bis heute ein lebendiges Viertel mit zahlreichen kleinen Geschäften und Verkaufsständen erhalten geblieben.
Zwischen Fisch und Meeresprodukten, Nori, Tee, Gewürzen, Küchenutensilien und vielen anderen Dingen gab es einiges zu entdecken. Gerade am Vormittag herrschte bereits reges Treiben – ein schöner Kontrast zum etwas ruhigeren Start, den sich der Rest unserer Gruppe an diesem Morgen gönnte.
Auf dem Weg vom Tsukiji Market Richtung Odaiba wechselten wir in die Yurikamome, die aufgeständerte, vollautomatisch fahrende Bahn durch das Hafengebiet Tokios. Schon die Fahrt war interessant: Die erhöhte Strecke eröffnete immer wieder neue Blicke auf die künstlichen Inseln und die großmaßstäbliche Architektur der Tokyo Bay. Dabei kamen wir auch am unverwechselbaren Tokyo Big Sight vorbei, dessen vier umgekehrte Pyramiden schon aus der Ferne auffallen.
Farbe, Material und Handwerk – PIGMENT TOKYO
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu PIGMENT TOKYO. Schon die schiere Menge an Materialien ist beeindruckend: unzählige traditionelle japanische Pigmente in feinsten Farbabstufungen, dazu Pinsel, Tuschen und Werkzeuge zur traditionellen Farbherstellung.
Besonders eindrucksvoll ist die lange Wand mit Hunderten unterschiedlichster Pigmenten – fast selbst schon eine Installation.
Natürlich interessierte uns auch der Raum selbst. Die Gestaltung stammt von Kengo Kuma & Associates. Eine Decke aus unzähligen schmalen Bambuselementen zieht sich durch den langgestreckten Innenraum und bildet eine sanfte, wellenartige Struktur. Material, Handwerk und Architektur greifen hier unmittelbar ineinander – und machen aus einem Geschäft zugleich einen Ausstellungs- und Erfahrungsraum.
Mit einem Raumschiff durch Tokio
Danach hatten wir den Plan, Tokio noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben: vom Wasser aus.
Noch kurz vor der Fahrt reservierten wir online unsere Plätze und standen wenig später in Odaiba vor einem Schiff, das so gar nicht nach einem gewöhnlichen Ausflugsdampfer aussah: der Hotaluna.
Der futuristische Wasserbus wurde vom Manga-Künstler Leiji Matsumoto gestaltet. Mit seinem silbernen, fast vollständig geschlossenen Körper und den großen grünlich getönten Fensterflächen erinnert er eher an ein Raumschiff. Auch der Innenraum war für uns interessant: Er wurde von der japanischen Architektin Yuko Nagayama gestaltet.
Von Odaiba ging es mit der Hotaluna über die Bucht und den Sumida River in Richtung Asakusa. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit: Während unserer Fahrt regnete es. Der Blick durch die großen Fenster auf die Stadt war dadurch zwar etwas grau und verhangen, hatte aber auch seinen ganz eigenen Reiz. Nach all den Kilometern, die wir Tokio in den vergangenen Tagen zu Fuß und mit Bahn und Metro durchquert hatten, war es trotzdem schön, die Stadt einmal vom Wasser aus an uns vorbeiziehen zu lassen.
Gleichzeitig veränderte sich vom Wasser aus der Blick auf Tokio. Brücken, Hochhäuser und Uferbebauungen erschienen plötzlich in einem anderen Zusammenhang, und die sonst so dichte Stadt öffnete sich entlang des Flusses.
In Asakusa angekommen, blieb noch Zeit für ein paar persönliche Einkäufe und Mitbringsel – unter anderem Schuhe und japanische Essstäbchen.
Nach dem gemeinsamen Abendessen machten wir uns noch zu dritt auf den Weg zum Sensō-ji in Asakusa. Am Abend, wenn es rund um den Tempel deutlich ruhiger wird und die Gebäude beleuchtet sind, entwickelt der Ort noch einmal eine ganz andere Atmosphäre. Natürlich probierten wir auch die traditionellen Omikuji aus: Stäbchen ziehen, die passende Schublade finden und gespannt nachsehen, welches Glück – oder Unglück – einem vorhergesagt wurde.
Ryōgoku am Abend
Danach zogen die beiden gemeinsam weiter, während ich die verbleibende Zeit für einen kleinen Architekturabstecher auf eigene Faust nutzte.
Mein Weg führte nach Ryōgoku zum Sumida Hokusai Museum von Kazuyo Sejima. Für einen Besuch war es inzwischen zu spät, doch auch von außen ist das Gebäude ausgesprochen sehenswert. Seine leicht spiegelnde Aluminiumhaut und die tiefen, diagonal eingeschnittenen Öffnungen lassen den Baukörper beinahe wie mehrere voneinander getrennte Volumen erscheinen.
Gerade am Abend entwickelte das Gebäude eine ganz besondere Wirkung. Die silbrigen Fassadenflächen reflektierten das Licht der Umgebung, während die Einschnitte und Zugänge wie dunkle geometrische Schnitte im Baukörper erschienen.
Ganz in der Nähe stand noch ein völlig anderer Museumsbau: das monumentale Edo-Tokyo Museum. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen. Seine gewaltige, aufgeständerte Konstruktion konnte ich deshalb ebenfalls nur von außen betrachten – bei Nacht wirkte sie beinahe noch eigenwilliger und monumentaler.
Das Hokusai Museum dagegen sollte ich schon am nächsten Tag wiedersehen. Diesmal bei Tageslicht – und dann auch von innen mit einem Ausstellungsbesuch.
Tokio auf eigenen Wegen
Nach den vielen gemeinsam geplanten und dicht gefüllten Exkursionstagen war dieser Samstag bewusst etwas offener. Jeder konnte noch einmal eigene Schwerpunkte setzen. Für uns führte der Tag vom morgendlichen Tsukiji über PIGMENT und eine verregnete, aber besondere Fahrt mit der Hotaluna bis nach Asakusa – und für mich schließlich noch zu einem nächtlichen Architekturspaziergang durch Ryōgoku.
Unser letzter vollständiger Exkursionstag als Gruppe gemeinsam in Tokio begann noch einmal mit einem ziemlich umfangreichen Programm – und zunächst ganz in der Nähe unseres Hotels in Ikebukuro.
Eine der ersten Stationen war der Vertical Rainbow von SAKO Architects. Die schmale Fassade mit ihren vertikal angeordneten, farbigen Glaselementen setzt einen erstaunlich kräftigen Akzent in die ansonsten eher zurückhaltende Umgebung. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall überlagern sich die Farben und verändern ihre Wirkung.
Von dort war es nicht weit zum Toshima Ward Office. Im zehnten Obergeschoss befindet sich der Toshima no Mori – Toshima Forest, ein überraschend üppiger Dachgarten mitten in der dicht bebauten Stadt. Eigentlich hatten wir geplant, dort oben zu frühstücken – mit Grün und Aussicht über Tokio. Das war allerdings nicht erlaubt. Essen durfte man im Dachgarten nicht, und so mussten wir für unser Frühstück wieder nach unten ins Gebäude. Ein kleiner Planwechsel gleich am Morgen, aber der Abstecher auf das Dach hatte sich trotzdem gelohnt.
Tokio von oben
Danach ging es nach Shinjuku zum Tokyo Metropolitan Government Building von Kenzo Tange. Diese Station hatten wir am Vortag nicht mehr geschafft und deshalb kurzerhand auf unseren letzten Tag verschoben.
Die beiden weithin sichtbaren Türme gehören zu den markantesten Bauten des Tokioter Stadtbildes. In rund 202 Metern Höhe öffnete sich von der Aussichtsplattform noch einmal der Blick über die schier endlose Stadt – diesmal bei deutlich besserem Wetter.
Direkt vor den Fenstern bot sich allerdings noch ein ganz anderes Schauspiel: Ausgerechnet während unseres Besuchs wurden die Scheiben des Hochhauses gereinigt. So schwebten die Fensterputzer in großer Höhe unmittelbar vor uns an der Fassade vorbei. Ein Arbeitsplatz mit ziemlich beeindruckender Aussicht – und definitiv nichts für Menschen mit Höhenangst.
Kengo Kuma und Tadao Ando auf dem Campus
Später führte unser Weg zur University of Tokyo und auf den Hongo-Campus. Zwischen dem historischen Gebäudebestand finden sich dort immer wieder bemerkenswerte zeitgenössische Eingriffe.
Einer davon ist das Daiwa Ubiquitous Computing Research Building von Kengo Kuma. Besonders auffällig ist seine Fassade aus unterschiedlich langen Holzelementen, die wie eine zweite, unregelmäßige Haut vor dem Gebäude liegt. Das Material und die kleinteilige Struktur bilden einen starken Kontrast zu den umliegenden Universitätsbauten.
Nur wenige Minuten später folgte mit der Fukutake Hall von Tadao Ando eine weitere architektonische Station. Damit begegneten uns auf relativ engem Raum zwei sehr unterschiedliche architektonische Handschriften – und gleichzeitig das Nebeneinander von historischer und zeitgenössischer Architektur auf dem Campus.
Durch Nezu
Vom Universitätsgelände ging es weiter in Richtung Nezu. Nach den großen Gebäuden, Hochhäusern und Architekturikonen zeigte sich Tokio hier wieder von einer ganz anderen Seite: kleinere Straßen, Wohnhäuser, viel Grün und zwischendurch die kleinen Beobachtungen, die auf einer solchen Reise mindestens ebenso in Erinnerung bleiben wie die großen Programmpunkte.
Unser Weg führte uns auch zum Nezu-Schrein. Die Anlage mit ihren Torii, alten Bäumen und Gartenbereichen bildet einen bemerkenswert ruhigen Gegenpol zur dichten Großstadt ringsherum.
Von der Nezu Station ging es schließlich mit der Chiyoda Line weiter – unser Tag war schließlich noch lange nicht vorbei.
Noch einmal durch Tokio
Am späteren Nachmittag führte uns unser Weg weiter durch die Stadt. Wie so oft auf dieser Exkursion wechselten sich geplante Architekturstationen mit Straßen, kleinen Entdeckungen und unerwarteten Eindrücken ab.
Gegen Abend erreichten wir schließlich den Bereich um Asakusa und den Sumida River. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist der Asahi-Komplex kaum zu übersehen – insbesondere die Super Dry Hall mit Philippe Starcks goldener „Flamme d’Or“. Nach all den Tagen in Japan war auch dieser Blick inzwischen Teil eines Tokio geworden, das uns immer vertrauter erschien und gleichzeitig noch unendlich viel Unentdecktes bereithielt.
Ein gemeinsamer Abschluss
Am Abend gingen wir noch einmal gemeinsam essen.
Und dabei gab es einen kleinen Moment, der wunderbar zu diesem letzten Tag passte: Einer unserer Teilnehmer bestellte auf Japanisch – und machte seine Sache offenbar so gut, dass er dafür ausdrücklich gelobt wurde.
Nach knapp zwei Wochen unterwegs, unzähligen Kilometern zu Fuß, Zügen und U-Bahnen, Architektur, Ausstellungen, Tempeln, Schreinen, großen Städten und kleinen Begegnungen war das ein schöner Abschluss.
Vielleicht war es gerade das, was diese Exkursion ausgemacht hat: Nicht nur die Gebäude und Orte, die wir vorher akribisch herausgesucht und auf unsere ohnehin meist viel zu vollen Tagesprogramme gesetzt hatten. Es waren ebenso die Dinge dazwischen – ein Frühstück, das nicht dort stattfinden durfte, wo wir es geplant hatten, Fensterputzer in schwindelerregender Höhe, eine Katze am Wegesrand, ein paar Worte Japanisch im richtigen Moment und all die kleinen Situationen, die man vorher eben nicht planen kann.
Und vielleicht bleiben gerade diese am längsten in Erinnerung.
08:00 Meeting Gruppe – Wartezeit – Start um 08:30 Uhr
Fahrzeit: z.B. Jamanote Line und Chuo-Sobu Line nach Nakano
09:00 Frühstück in Marugame Seimen Nakano Central Park, Nakano Central Park South, 2F 4 Chome-10-2 Nakano, Nakano City, Tokyo 164-0001, Japan
Route 1 Nakano Central Park → ZA Koenji → House NA → Koenji → SunnyHills → Brasilianische Botschaft → Harajuku Church → Tower House → Watari-um https://maps.app.goo.gl/Gw8APsFK8Vj3Dd7v5
Der Tag begann früher als geplant: Um 4:16 Uhr morgens wurden wir von einem Erdbeben geweckt. Das Epizentrum lag im Süden der Präfektur Chiba, doch auch in Tokio war das Beben deutlich zu spüren. Beim Treffen am Morgen tauschten wir uns natürlich darüber aus – manche hatten das Erdbeben offenbar sogar in ihren Traum eingebaut.
Um 8 Uhr trafen wir uns als Gruppe und starteten mit einem ziemlich ambitionierten Tagesprogramm. Wenig später ging es mit der Bahn in Richtung Nakano und Koenji. Zum Frühstück hatten wir Marugame Seimen am Nakano Central Park eingeplant – japanische Udon gleich am Morgen waren inzwischen durchaus eine denkbare Alternative zum klassischen Frühstück geworden.
Screenshot
Koenji – Architektur und ein anderes Tokio
Von Nakano ging es weiter nach Koenji. Das Viertel zeigte noch einmal eine ganz andere Seite Tokios: kleinteiliger, entspannter und mit zahlreichen kleinen Läden, Secondhand- und Vintage-Shops. Neben dem Stadtviertel selbst standen hier zwei Gebäude auf unserer Architekturliste.
Das ZA Koenji von Toyo Ito war dabei schon von außen kaum zu übersehen. Das Kulturzentrum wirkt mit seiner dunklen, unregelmäßig geformten Hülle beinahe wie eine große, abstrakte Figur im Stadtraum.
Ganz anders das NA House von Sou Fujimoto: ein schmales Wohnhaus, das mit seinen übereinander gestapelten, nahezu vollständig verglasten Ebenen die Vorstellung eines klassischen Hauses ziemlich radikal infrage stellt. Gerade weil das Gebäude vergleichsweise klein ist, war es spannend, es einmal tatsächlich im städtischen Kontext zu sehen und nicht nur von den bekannten Architekturfotografien zu kennen.
Zwischendurch blieb Zeit, ein wenig durch Koenji Pal und die umliegenden Straßen zu laufen – mit Vintage-Shops, kleinen Geschäften und all den zufälligen Entdeckungen, die bei solchen Wegen durch Tokio fast genauso interessant waren wie die geplanten Ziele.
Omotesando und Aoyama – Architektur auf engem Raum
Anschließend wechselten wir wieder die Gegend. Rund um Omotesando und Aoyama lagen gleich mehrere unserer nächsten Ziele erstaunlich dicht beieinander.
Dazu gehörte SunnyHills von Kengo Kuma, dessen außergewöhnliche Holzstruktur das kleine Gebäude wie ein dreidimensionales Geflecht umschließt. Auch das Büro von Kengo Kuma & Associates, die brasilianische Botschaft, die Harajuku Church sowie weitere Gebäude lagen auf unserem Weg.
Ein besonderes Ziel war das berühmte Tower House von Takamitsu Azuma. Das extrem schmale Wohnhaus aus den 1960er-Jahren ist ein frühes Beispiel dafür, wie Architektur in Tokio mit winzigen Grundstücken und der enormen Verdichtung der Stadt umgehen kann. Gerade nach den vielen zeitgenössischen Gebäuden der vergangenen Tage war dieser ältere, fast schon prototypische Bau besonders interessant.
Auch das Watari Museum of Contemporary Art (Watari-um) gehörte zu unserem Rundgang. So entstand über den Nachmittag hinweg weniger eine Abfolge einzelner Sehenswürdigkeiten als vielmehr ein längerer Architekturspaziergang durch einen Teil Tokios, in dem sich auf erstaunlich engem Raum sehr unterschiedliche Jahrzehnte und Positionen japanischer Architektur begegnen.
Weiter nach Shinjuku
Später führte uns der Weg nach Shinjuku. Hier änderte sich der Maßstab der Stadt erneut vollkommen.
Auf dem Programm standen unter anderem der neue Tokyu Kabukicho Tower, das Golden-Gai-Viertel mit seinem dichten Geflecht winziger Bars sowie der Mode Gakuen Cocoon Tower von Tange Associates. Mit seiner markanten, netzartigen Fassade gehört der Hochhauskomplex zu den Gebäuden, die man schon aus größerer Entfernung immer wieder zwischen den anderen Hochhäusern entdeckt.
Ein langer Tag in Tokio
Im Laufe des Tages wurde das Wetter zunehmend unbeständig. Auch die Energie ließ etwas nach – und so blieb diesmal einiges von unserem ambitionierten Programm offen. Manche der geplanten Stationen holten wir einfach am nächsten Tag nach, darunter das Tokyo Metropolitan Government Building von Kenzo Tange.
Gegen 19:30 Uhr trafen wir uns wieder zum gemeinsamen Abendessen. Danach ging es zurück in Richtung Ikebukuro, wo ab etwa 21:25 Uhr noch unsere gemeinsame Reflexion des Tages vorgesehen war.
Wie so oft in Tokio war das Programm größer als der Tag. Aber darum ging es letztlich auch nicht: Vielmehr entstand unterwegs ein immer dichteres Bild der Stadt. An diesem 11. Mai führte unser Weg vom kleinteiligen Koenji über die Architektur rund um Aoyama und Omotesando bis zu den Hochhausschluchten Shinjukus – und zeigte wieder einmal, wie viele völlig unterschiedliche Gesichter Tokio innerhalb nur eines Tages haben kann.
SunnyHills kannte ich bereits von einem Besuch im Jahr 2016. Diesmal stand das ungewöhnliche Gebäude von Kengo Kuma deshalb ganz bewusst auf unserem Weg durch Tokio.
Schon von außen scheint das Haus von einem riesigen hölzernen Geflecht umgeben zu sein. Schmale Hölzer überlagern sich zu einer dreidimensionalen Struktur, die Fassade, Filter und räumliche Hülle zugleich ist. Kengo Kuma greift dafür die traditionelle japanische Holzverbindung Jigoku-gumi auf und übersetzt sie in eine Architektur, die fast wie ein großer, fein geflochtener Korb wirkt.
Im Inneren verändert sich die Atmosphäre. Das Licht fällt gefiltert durch die Holzkonstruktion, die Räume wirken warm und erstaunlich ruhig. Dabei ist SunnyHills eigentlich ein Geschäft für taiwanesische Ananaskuchen.
Die sorgfältig verpackten Kuchen sind ein schönes Mitbringsel für zu Hause. Mit dem Einkauf gehört aber noch etwas anderes zum Konzept: Man wird eingeladen, oben Platz zu nehmen und den Ananaskuchen selbst zu probieren. Dazu wird Tee serviert. So konnten wir nach meinem Einkauf gemeinsam als Gruppe an einem der großen Tische Platz nehmen.
Nach dem vielen Unterwegssein durch Tokio wurde daraus eine kleine Pause: sitzen, Tee trinken, Ananaskuchen probieren und für einen Moment zur Ruhe kommen. Hinter dem dichten Holzgeflecht scheint die Stadt ein Stück weiter entfernt.
Ein kurzer Moment des Innehaltens und Entspannens – bevor es wieder hinausgeht ins geschäftige Tokio.
ca. 20:10 Uhr – 11:00 Uhr gemeinsames Abendessen Running Sushi im Restaurant in Asakusa 23:30 Uhr Ankunft im Hotel.
Route 6 zurück ins Hotel Fahrzeit: Tagesticket - U-Bahn G-Ginza-Line nach Shibuya, Umsteigen in M-Line nach Ikebukuro ins Hotel
Reflexion
Auch der Mittwoch hatte es in sich. Für diesen Tag stand eine ziemlich dichte Route durch Tokio auf dem Programm – mit Architektur aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten und einigen Gebäuden, die wir bereits aus Studium, Lehre und Architekturgeschichte kannten.
Nach dem Frühstück starteten wir früh. Eine der ersten Stationen war das Overlap House von Akihisa Hirata. Von dort ging es weiter in Richtung unseres nächsten Ziels.
Unterwegs ergab sich allerdings einer jener schönen Zufälle, die sich nicht planen lassen. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Kaffee. Dabei landeten wir auf dem Campus der Ochanomizu University und entdeckten dort das Seattle Espress Cafe. Aus der kurzen Kaffeepause wurde unverhofft ein kleiner Architekturfund: Das Café befindet sich im Hisao & Hiroko Taki Plaza, einem von Kengo Kuma entworfenen Gebäude. Ein kleiner Ausstellungsbereich vor Ort informierte zusätzlich über die Architektur und Entstehung des Baus. So wurde aus der Suche nach einem Frühstückskaffee ganz ungeplant ein weiterer Programmpunkt unserer Exkursion.
Anschließend ging es weiter zum Sky House von Kiyonori Kikutake. Das 1958 errichtete Wohnhaus ist ein bedeutendes Beispiel der japanischen Nachkriegsmoderne und gilt als wichtiger Vorläufer des Metabolismus. Mit der St. Mary’s Cathedral von Kenzo Tange folgte kurz darauf ein weiteres Schlüsselwerk dieser Zeit. Die expressive, skulpturale Dachlandschaft unterscheidet sich grundlegend von den vielen kleineren Wohn- und Geschäftsbauten, die das Stadtbild Tokios prägen.
Danach wechselten Maßstab und Atmosphäre. Rund um Harajuku, Omotesando und Aoyama lässt sich Architektur beinahe wie in einem dicht gepackten Freilichtmuseum erleben.
Weiter ging es durch Harajuku und über die quirlige Takeshita Street, bekannt für ihre bunte Jugendmode, kleinen Shops und zahlreichen Streetfood-Angebote, zum Tokyu Plaza Omotesando Harajuku von Hiroshi Nakamura & NAP Architects – mit seinem markanten, kaleidoskopartigen Spiegeleingang und der Dachterrasse.
Von dort führte unser Weg weiter durch Omotesando und Aoyama. Auf vergleichsweise engem Raum begegneten uns erstaunlich viele Gebäude international bekannter Architekturbüros: GYRE von MVRDV, Tod’s Omotesando von Toyo Ito, Dior Omotesando von SANAA, Omotesando Hills von Tadao Ando und ONE Omotesando von Kengo Kuma.
Dazwischen lagen kleinere Galerien, Shops und immer wieder weitere bemerkenswerte Gebäude. Gerade hier wird deutlich, wie eng in Tokio Architektur, Mode, Design und öffentlicher Stadtraum miteinander verwoben sind. Die Architektur ist dabei nicht isoliertes Besichtigungsobjekt, sondern ganz selbstverständlich Teil des alltäglichen Stadtlebens.
Bei so viel Architektur durfte eine Pause natürlich nicht fehlen. Zum Mittagessen gab es Takoyaki, die typischen kleinen Teigbällchen mit Oktopus, bevor es anschließend weiter durch Aoyama ging.
Und die Dichte bemerkenswerter Architektur ließ kaum nach: Collezione von Tadao Ando, The Jewels of Aoyama von Jun Mitsui, Comme des Garçons von Future Systems, der Prada Aoyama Epicenter von Herzog & de Meuron sowie weitere Flagship-Stores und Galerien lagen auf unserem Weg. Auch das Espace Louis Vuitton Tokyo, der Boss Store im Omotesando Keyaki Building und Issey Miyake gehörten zu den Gebäuden und Stationen entlang unserer Route.
Das Spiral Building von Fumihiko Maki hatte ich ebenfalls in meinem damaligen Ablauf notiert. Ob wir tatsächlich hineingegangen sind oder es an diesem ohnehin schon sehr vollen Tag nur als mögliche Station vorgesehen war, lässt sich heute nicht mehr ganz sicher rekonstruieren.
Einen besonderen Kontrast zu den kommerziell geprägten Straßen von Omotesando und Aoyama bildete das Nezu Museum von Kengo Kuma. Schon der lange, ruhige Zugang schafft einen starken Gegenpol zum Trubel der Stadt. Mit seinen Ausstellungsräumen und dem weitläufigen japanischen Garten entstand hier eine vollkommen andere Atmosphäre – ruhig, zurückgenommen und eng mit der Landschaft verbunden.
Später ging es mit der U-Bahn weiter nach Shibuya zum Miyashita Park. Auch hier zeigte sich eine für Tokio charakteristische Antwort auf den knappen städtischen Raum: Unterschiedliche Nutzungen werden nicht nur nebeneinander, sondern übereinander organisiert. Handel, Wege, Freizeitangebote und Grünflächen bilden ein Stück Stadt auf mehreren Ebenen.
Damit war unser Tag allerdings noch immer nicht beendet. Mit der Ginza Line ging es weiter Richtung Asakusa. Nach all den Kilometern, Gebäuden und Eindrücken ließen wir den Abend schließlich bei einem gemeinsamen Running-Sushi-Essen ausklingen, bevor es zurück ins Hotel ging.
Screenshot
Ein langer und ausgesprochen dichter Tag – und einer, an dem sich besonders gut erleben ließ, wie unmittelbar in Tokio ganz unterschiedliche Generationen japanischer und internationaler Architektur aufeinandertreffen: von Kikutake und Tange über Maki, Ando und Ito bis zu Kuma und SANAA, dazwischen Herzog & de Meuron, MVRDV und viele weitere.
Und manchmal genügte sogar die Suche nach einem Kaffee, um ganz unverhofft noch einen Kengo Kuma zu entdecken.
Der 10. Mai war nicht einfach ein langer Stadtspaziergang. Wir haben an einem einzigen Tag eine erstaunliche Dichte bedeutender Architektur gesehen: Tange, Kikutake, Hirata, Kuma, Nakamura, MVRDV, Toyo Ito, SANAA, Ando, Herzog & de Meuron, Jun Mitsui, Jun Aoki, Norihiko Dan usw.
Ganz oben angekommen, fühlt es sich für einen Moment an, als wäre hier nicht Schluss. Als könnte man von dieser Plattform aus ganz einfach weiterreisen – hinaus aus Tokio und direkt ins Weltall.
Der Weg nach oben ist Teil dieser Inszenierung. Aufzüge, Licht, Projektionen und dunkle Übergänge lösen einen Stück für Stück von der Stadt, bis sich schließlich der Himmel öffnet. Auf dem Dach wird aus dem Hochhaus eine große, beinahe schwerelose Fläche. Viel Glas, viel Himmel, Wind – und Tokio weit unter den Füßen.
Dabei könnte der Gegensatz kaum größer sein. Unten liegt Shibuya: dicht, laut, voller Menschen, Verkehr, Leuchtreklamen und Bewegung. Von hier oben wird daraus ein Geflecht aus Straßen, Gebäude und Lichtern. Selbst die berühmte Kreuzung wirkt plötzlich erstaunlich klein.
Shibuya Sky ist deshalb weniger eine klassische Aussichtsplattform als eine sorgfältig inszeniertes Spiel mit der Perspektive. Nicht nur der Blick auf Tokio zählt, sondern auch das Gefühl, sich für einen Moment von der Stadt zu lösen.
Und während Tokio unter einem bis zum Horizont reicht, richtet sich der Blick irgendwann fast automatisch nach oben.
Vielleicht ist das genau die Idee: Nicht nur auf die Stadt hinunterzusehen, sondern für einen Moment zu glauben, von hier aus könnte es noch weitergehen.