Der letzte Tag in Tokio. Nach mehreren Wochen gemeinsam mit der Exkursionsgruppe begann dieser Morgen früh und ungewohnt allein. Das Gepäck war bereits auf dem Weg zum Flughafen – und bis zur Rückreise blieb noch etwas Zeit, um einen letzten Moment für mich allein in dieser Stadt zu verbringen.
Mein Weg führte mich nach Shin-Ōkubo und in das 2D Cafe.
Der Ort
Beim Betreten scheint der dreidimensionale Raum plötzlich zur Zeichnung zu werden. Wände, Möbel und Einbauten sind nahezu vollständig auf Schwarz und Weiß reduziert. Dunkle Konturen zeichnen Kanten und Details nach und erzeugen den Eindruck, mitten in einer Comic-Illustration zu sitzen.
Das Detail
Die Inszenierung setzt sich bis auf den Tisch fort: Der 2D Cake greift mit seinen dunklen Konturen die grafische Gestaltung des Raumes auf. Daneben ein Strawberry Milk Tapioca aus Erdbeeren, Milch und schwarzen Tapiokaperlen.
Während der Raum beinahe vollständig in Schwarz und Weiß gehalten ist, bringen Kuchen und Getränk Farbe ins Bild. Realität und Zeichnung beginnen sich zu überlagern.
Der Gedanke
Vielleicht war es gerade am letzten Tag ein passender Ort: Nach Wochen voller gemeinsamer Eindrücke noch einmal allein in Tokio zu sitzen – in einem Raum, der die wirkliche Stadt für einen Moment wie eine Zeichnung erscheinen lässt.
Ein kleiner Zwischenraum zwischen Exkursion und Rückreise.
SunnyHills kannte ich bereits von einem Besuch im Jahr 2016. Diesmal stand das ungewöhnliche Gebäude von Kengo Kuma deshalb ganz bewusst auf unserem Weg durch Tokio.
Schon von außen scheint das Haus von einem riesigen hölzernen Geflecht umgeben zu sein. Schmale Hölzer überlagern sich zu einer dreidimensionalen Struktur, die Fassade, Filter und räumliche Hülle zugleich ist. Kengo Kuma greift dafür die traditionelle japanische Holzverbindung Jigoku-gumi auf und übersetzt sie in eine Architektur, die fast wie ein großer, fein geflochtener Korb wirkt.
Im Inneren verändert sich die Atmosphäre. Das Licht fällt gefiltert durch die Holzkonstruktion, die Räume wirken warm und erstaunlich ruhig. Dabei ist SunnyHills eigentlich ein Geschäft für taiwanesische Ananaskuchen.
Die sorgfältig verpackten Kuchen sind ein schönes Mitbringsel für zu Hause. Mit dem Einkauf gehört aber noch etwas anderes zum Konzept: Man wird eingeladen, oben Platz zu nehmen und den Ananaskuchen selbst zu probieren. Dazu wird Tee serviert. So konnten wir nach meinem Einkauf gemeinsam als Gruppe an einem der großen Tische Platz nehmen.
Nach dem vielen Unterwegssein durch Tokio wurde daraus eine kleine Pause: sitzen, Tee trinken, Ananaskuchen probieren und für einen Moment zur Ruhe kommen. Hinter dem dichten Holzgeflecht scheint die Stadt ein Stück weiter entfernt.
Ein kurzer Moment des Innehaltens und Entspannens – bevor es wieder hinausgeht ins geschäftige Tokio.
Ganz oben angekommen, fühlt es sich für einen Moment an, als wäre hier nicht Schluss. Als könnte man von dieser Plattform aus ganz einfach weiterreisen – hinaus aus Tokio und direkt ins Weltall.
Der Weg nach oben ist Teil dieser Inszenierung. Aufzüge, Licht, Projektionen und dunkle Übergänge lösen einen Stück für Stück von der Stadt, bis sich schließlich der Himmel öffnet. Auf dem Dach wird aus dem Hochhaus eine große, beinahe schwerelose Fläche. Viel Glas, viel Himmel, Wind – und Tokio weit unter den Füßen.
Dabei könnte der Gegensatz kaum größer sein. Unten liegt Shibuya: dicht, laut, voller Menschen, Verkehr, Leuchtreklamen und Bewegung. Von hier oben wird daraus ein Geflecht aus Straßen, Gebäude und Lichtern. Selbst die berühmte Kreuzung wirkt plötzlich erstaunlich klein.
Shibuya Sky ist deshalb weniger eine klassische Aussichtsplattform als eine sorgfältig inszeniertes Spiel mit der Perspektive. Nicht nur der Blick auf Tokio zählt, sondern auch das Gefühl, sich für einen Moment von der Stadt zu lösen.
Und während Tokio unter einem bis zum Horizont reicht, richtet sich der Blick irgendwann fast automatisch nach oben.
Vielleicht ist das genau die Idee: Nicht nur auf die Stadt hinunterzusehen, sondern für einen Moment zu glauben, von hier aus könnte es noch weitergehen.
Ein weiterer sonniger Tag in Tokio begann früh. Bereits um 7:30 Uhr trafen wir uns im Lounge-Bereich unseres Hotels und machten uns anschließend auf den Weg zu den Fischmärkten. Auf dem Programm standen der traditionelle Tsukiji Outer Market und der neuere Fischmarkt in Toyosu. Und was könnte als Frühstück an einem solchen Morgen passender sein als Sushi?
Danach ging es weiter zumteamLab Planets Tokyo. Nach vielen Tagen in den Städten Japans, vielen Kilometern zu Fuß und unzähligen Eindrücken war dieser Besuch auf eine ganz eigene Weise erfrischend. Schuhe und Socken blieben am Eingang zurück – und plötzlich bewegten wir uns barfuß durch die Ausstellung.
Mal führte der Weg durch Wasser, mal über weiche oder unerwartet nachgebende Böden, durch dunkle Räume, Licht, Spiegelungen und Projektionen. Die Grenzen zwischen Raum, Bild und Bewegung begannen sich aufzulösen. Man betrachtete die Installationen nicht einfach von außen, sondern wurde selbst Teil davon.
Besonders faszinierend war, wie unmittelbar der eigene Körper in die Wahrnehmung einbezogen wurde. Wasser umspülte die Füße, Licht veränderte den Raum, Bilder reagierten auf Bewegung und setzten sich über Wände und Böden hinweg fort. Manchmal verlor man für einen Moment sogar das Gefühl dafür, wie groß ein Raum tatsächlich war und wo seine Grenzen lagen.
Nach den bereits vielen Tagen auf den Beinen fühlte sich gerade das Laufen durch das Wasser überraschend wohltuend an – fast wie eine kleine Pause innerhalb der Reise, obwohl es gleichzeitig unglaublich viel zu entdecken gab.
Für mich war teamLab deshalb weit mehr als eine digitale Ausstellung: ein faszinierendes räumliches Erlebnis, bei dem Sehen, Bewegung, Berührung und die eigene Wahrnehmung miteinander verschmolzen.
Nach diesem besonderen Erlebnis stärkten wir uns noch mit veganen Ramen, bevor es am Nachmittag weiter nach Ginza ging. Dort wartete wieder ein dichtes Programm aus Architektur, Innenraumgestaltung, Design und natürlich dem unmittelbaren Erleben der Stadt.
Zu unseren Stationen gehörten unter anderem der Mikimoto Ginza 2, Itoya mit seinen zahlreichen Etagen rund um Papier und Gestaltung, Muji sowie die außergewöhnlichen Gebäude und Fassaden internationaler Modehäuser. Auch Louis Vuitton gehörte zu unserem Weg durch Ginza. Gerade hier lässt sich auf vergleichsweise engem Raum erleben, wie stark Architektur selbst zum Bestandteil der Identität einer Marke wird.
Auch der Nakagin Capsule Tower, eines der bekanntesten Beispiele des japanischen Metabolismus, spielte auf unserer Route anders als 2016 leider keine Rolle mehr. Das Gebäude selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits abgerissen. Sein ehemaliger Standort erinnerte jedoch an einen Bau, der über Jahrzehnte zu den Architekturikonen Tokios gehörte.
Unser Weg führte uns weiter durch das Stadtgebiet, unter anderem in Richtung Nihonbashi, und schließlich zum Tokyo International Forum. Der große gläserne Bau mit seinem eindrucksvollen, weit gespannten Innenraum bildete noch einmal einen ganz anderen architektonischen Maßstab als viele der zuvor besuchten Geschäfte und kleineren Stadträume.
Nach diesem langen Nachmittag blieb gegen 18 Uhr nur Zeit für einen kleinen Snack, denn auch damit war der Tag noch nicht beendet.
Am Abend ging es weiter nach Shibuya. Um 19:20 Uhr stand mit Shibuya Sky noch einmal ein ganz anderer Blick auf Tokio auf dem Programm. Hoch über der Stadt öffnete sich der Blick über das scheinbar endlose Häusermeer – auf Straßen, Lichter und die dichte Struktur dieser riesigen Metropole.
Nach einem Tag, der morgens auf dem Fischmarkt begonnen hatte, uns barfuß durch die immersiven Räume von teamLab und anschließend durch Architektur und Design in Ginza geführt hatte, war dieser Blick von oben ein eindrucksvoller Abschluss.
Ein langer und ausgesprochen vielfältiger Tag in Tokio – vom Sushi-Frühstück am Morgen bis zum nächtlichen Blick über die Stadt.
Nach vielen Tagen in den Städten von Japan unterwegs, vielen Kilometern zu Fuß und unzähligen Eindrücken war der Besuch im teamLab auf eine ganz eigene Weise erfrischend. Schuhe und Socken bleiben am Eingang zurück – und plötzlich bewegt man sich teilweise barfuß durch die Ausstellung.
Mal führt der Weg durch Wasser, mal über weiche oder unerwartet nachgebende Böden, durch dunkle Räume, Licht, Spiegelungen und Projektionen. Die Grenzen zwischen Raum, Bild und Bewegung beginnen sich aufzulösen. Man betrachtet die Installationen nicht einfach von außen, sondern wird selbst Teil davon.
Besonders faszinierend ist, wie unmittelbar der eigene Körper in die Wahrnehmung einbezogen wird. Wasser umspült die Füße, Licht verändert den Raum, Bilder reagieren auf Bewegung und setzen sich über Wände und Boden hinweg fort. Manchmal verliert man für einen Moment sogar das Gefühl dafür, wie groß ein Raum tatsächlich ist und wo seine Grenzen liegen.
Nach den bereits vielen Tagen auf den Beinen fühlte sich gerade das Laufen durch das Wasser überraschend wohltuend an. Fast wie eine kleine Pause innerhalb der Reise – obwohl es gleichzeitig unglaublich viel zu entdecken gab.
teamLab war für mich deshalb weit mehr als eine digitale Ausstellung. Es war ein faszinierendes räumliches Erlebnis, bei dem Sehen, Bewegung, Berührung und die eigene Wahrnehmung miteinander verschmelzen – und eines, das noch lange in Erinnerung bleibt.