30.04 Sonntag – Osaka

Ein Sonntag zwischen Ando, Bibliothek und teamLab

30. April 2023

Der erste vollständige Tag in Osaka begann mit Architektur – und mit einem Gebäude, das von außen beinahe unscheinbar wirkt.

Azuma House – ganz klein und ganz Ando

Unser erstes Ziel war das Azuma House in Sumiyoshi, eines der frühen und bekanntesten Wohnhäuser von Tadao Ando. Eingefügt in eine schmale Häuserzeile, zeigt sich zur Straße lediglich eine geschlossene Betonfassade mit einem einzigen Eingang.

Gerade die geringe Größe macht das Haus interessant. Auf engstem Raum entwickelt Ando ein Wohnkonzept, bei dem ein offener Innenhof zum Mittelpunkt wird. Um von einem Teil des Hauses in den anderen zu gelangen, muss man diesen Außenraum durchqueren – und ist damit Wind, Regen, Licht und den Jahreszeiten unmittelbar ausgesetzt.

Das Gebäude konnten wir natürlich nur von außen betrachten. Trotzdem war es spannend, plötzlich vor einem Haus zu stehen, das man aus Architekturpublikationen kennt – mitten in einem ganz normalen Wohnviertel von Osaka.

Sayamaike Museum – Beton, Wasser und eine besondere Begegnung

Von einem der kleinsten Werke Andos ging es anschließend zu einer ganz anderen Dimension: zum Sayamaike Museumin Osakasayama.

Auch hier begegnet uns der für Tadao Ando charakteristische Sichtbeton, doch das Gebäude entwickelt eine vollkommen andere räumliche Wirkung. Wasser, große geometrische Formen, lange Wege sowie der Wechsel von Enge und Weite bestimmen die Annäherung. Besonders eindrucksvoll ist der Weg entlang der gewaltigen Wasserwand. Das Wasser ist dabei weit mehr als Kulisse: Man hört es, spürt seine Präsenz und bewegt sich durch eine Architektur, die bereits den Weg zum Bestandteil des Museumsbesuchs macht.

Im Inneren widmet sich das Museum der Geschichte des Sayamaike, eines der ältesten Bewässerungsreservoirs Japans. Historische Schichten und Konstruktionen des Damms werden zu großformatigen Exponaten und vermitteln eindrucksvoll, wie eng Landschaft, Wasserbau und menschliche Eingriffe über Jahrhunderte miteinander verbunden waren.

In besonderer Erinnerung blieb uns aber auch die Begegnung mit den Menschen im Museum. Mehrere ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dort tätig und begegneten uns mit einer außergewöhnlichen Freundlichkeit und Offenheit. Eine der Aufsichtspersonen nahm sich spontan viel Zeit für unsere Studierenden, führte sie durch Teile der Ausstellung und erzählte ausführlich über das Museum und seine Exponate.

Aus einem zunächst ganz normalen Museumsbesuch entstand so unerwartet eine sehr persönliche Begegnung. Zum Abschluss entstand sogar noch ein gemeinsames Foto mit unserer Gruppe – eine dieser kleinen, ungeplanten Situationen, die von einer Exkursion oft besonders lange in Erinnerung bleiben.

Eine Bibliothek wie ein Fels im Teich

Die nächste Station führte uns nach Matsubara zur öffentlichen Bibliothek von MARU.architecture. Der massive Baukörper steht unmittelbar am Wasser und wurde passend dazu als „Fels im Teich“ beschrieben.

Nach Andos streng inszenierten Betonräumen begegnete uns hier eine zeitgenössische Bibliothek als öffentlicher Ort. Besonders interessant war dabei nicht nur die äußere Erscheinung des Gebäudes, sondern die Frage, wie aus einer Bibliothek ein Raum zum Lesen, Lernen, Verweilen und Begegnen wird.

Vom gebauten zum digitalen Raum

Zurück in Osaka folgte am Abend ein bemerkenswerter Wechsel.

Bei teamLab bestand der Raum plötzlich nicht mehr vor allem aus Beton, Wänden und Öffnungen. Licht, Projektionen, Bewegung, Klang und digitale Bilder bestimmten die Wahrnehmung. Die Grenzen zwischen Raum und Bild schienen sich aufzulösen, und die eigene Bewegung wurde Teil des Erlebnisses.

Damit endete ein Tag, an dem wir innerhalb weniger Stunden sehr unterschiedliche Formen räumlicher Inszenierung erlebt hatten: ein winziges Wohnhaus, monumentale Museumsarchitektur, eine öffentliche Bibliothek und schließlich eine immersive digitale Welt.

Beim gemeinsamen Abendessen konnten die vielen Eindrücke des ersten vollständigen Exkursionstages schließlich erst einmal sacken. Und wo könnte ein solcher Tag besser enden als in Osaka – einer Stadt, die nicht zuletzt für ihre ausgezeichnete Küche und ihre ausgeprägte Esskultur bekannt ist.

Ein ziemlich intensiver Einstieg in Osaka.

White Chapel in Osaka

Beitragsbild: https://nathanjohn.works/interview-jun-aoki

White Chapel in Osaka
Jun Aoki

2006
map
google.com
1 Chome-13-11 Nankokita, Suminoe Ward, Osaka, 559-0034, Japan

https://www.aokijun.com/en/works/白い教会/

http://jimmycohrssen.com/albums/white-chapel-osaka/
https://www.archify.com/hk/archifynow/white-chapel
https://www.designboom.com/architecture/jun-aoki-associates-white-chapel-osaka-japan/
https://www.flickr.com/photos/sanjoy87/17344666742
http://uratti.web.fc2.com/architecture/aokijun/whitechapel.html
https://www.pca-stream.com/en/articles/luxury-and-chapels-in-tokyo-83
https://nathanjohn.works/interview-jun-aoki