Autor: bs
10_06.05 Samstag Reise Nagoya – Shin-Fuji – Tokyo Hauptbahnhof
- 06:00 Uhr Treffen der Gruppe vor dem Capsule Hotel, maximale Wartezeit 5 Minuten
- 06:45 Uhr – 08:17 Uhr mit JR Line Kodama 700 von Nagoya Station nach Shin-Fuji
- 08:30 Uhr Frühstück in Shin-Fuji
- 11:10 Uhr – 12:18 Uhr Weiterfahrt mit JR Line Kodama 710 von Shin-Fuji nach Tokyo Hauptbahnhof.
- 360° Pictures
- Anschließend mit U-Bahn ins 9 Hours Hotel in Akasaka, Ankunft ca. um 13:30 Uhr – Wartezeit – Checkin erst um 14:00 Uhr.
- Gemeinsames Essen – Ramensuppe in der Nähe vom Hotel
- Abends nach Shinjuku – Modegauken
Der Samstag begann früh: Bereits um 6 Uhr trafen wir uns vor unserem Capsule Hotel in Nagoya. Mit dem Kodama-Shinkansen ging es um 6:45 Uhr los in Richtung Shin-Fuji. Die Tickets hatten wir bereits am Morgen zuvor gekauft – ganz bewusst mit einem längeren Zwischenstopp am Fuß des Fuji.
Gegen 8:17 Uhr erreichten wir Shin-Fuji. Hier hatten wir einige Stunden Zeit und natürlich die Hoffnung, einen möglichst freien Blick auf den Fuji zu bekommen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, die Umgebung zu erkunden und einige 360°-Aufnahmen zu erstellen. Ob und wie deutlich sich der Fuji an diesem Morgen tatsächlich zeigte, gehörte ein wenig zum Glück dieser Reise.
Für die anschließende Weiterfahrt durfte eine weitere japanische Reiseerfahrung nicht fehlen: eine Bentō-Box. Jede und jeder suchte sich vor der Fahrt eine eigene aus. Die liebevoll zusammengestellten Mahlzeiten gehören für viele Reisende ganz selbstverständlich zu einer längeren Zugfahrt in Japan – und so wurde auch das gemeinsame Essen im Shinkansen zu einem kleinen Teil unserer Exkursionserfahrung.
Um 11:10 Uhr ging es mit dem Kodama weiter nach Tokio. Gut eine Stunde später erreichten wir Tokyo Station und damit die letzte große Station unserer Reise. Von dort fuhren wir mit der U-Bahn nach Akasaka zu unserem 9 Hours Hotel. Da der Check-in erst um 14 Uhr möglich war, blieb zunächst noch etwas Zeit, bevor wir unsere Schlafplätze beziehen konnten.
Danach ging es gemeinsam zum Ramenessen in der Nähe des Hotels. Am Abend ging es weiter nach Shinjuku zum Mode Gakuen Cocoon Tower. Der markante Hochschulbau von Tange Associates war für uns nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Architektur interessant: In dem vertikal organisierten Campus lernen Tausende Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen. Die einem Kokon nachempfundene Gebäudeform steht dabei sinnbildlich für einen geschützten Ort des Lernens und der Entwicklung.
Meji Mura
05.05 Freitag – Nagoya
Der Tag begann mit einem Ausflug nach Inuyama und einem Besuch im Meiji Mura, einem weitläufigen Freilichtmuseum, in dem historische Gebäude aus der Meiji-Zeit und darüber hinaus erhalten, versetzt und teilweise wiederaufgebaut wurden. Für uns war dieser Ort besonders spannend, weil sich Architekturgeschichte hier nicht nur anhand von Plänen oder Bildern nachvollziehen lässt, sondern unmittelbar räumlich erfahren werden kann.
Ein besonderes Highlight war der erhaltene Teil des von Frank Lloyd Wright entworfenen Imperial Hotel in Tokio. Das ursprüngliche Hotel wurde in den 1960er-Jahren abgerissen; Teile des Eingangs- und Lobbybereichs konnten jedoch gerettet und im Meiji Mura wiederaufgebaut werden. So bot sich die seltene Gelegenheit, Wrights Architektur, ihre Materialität, Proportionen und die besondere Gestaltung der Innenräume tatsächlich zu erleben.
Nach dem Besuch trennten sich unsere Wege. Für die Gruppe ging das Programm weiter – unter anderem mit einem Besuch des Färberviertels und eines Museums, das nach den späteren Erzählungen ebenfalls sehr sehenswert gewesen sein muss.
Für mich ging es dagegen zurück nach Nagoya ins 9h nine hours Nagoya Station. Die zu Beginn unserer Reise gehackte Website beschäftigte uns schließlich noch immer. Nach einem etwa einstündigen Telefonat mit unserem Administrator gelang es tatsächlich, die Seite wieder zum Laufen zu bringen. Nach all den vorherigen Versuchen war das zunächst eine große Erleichterung: Für einige Tage war unsere Reisewebsite wieder erreichbar.
Am Abend kamen wir wieder zusammen. Direkt in der Nähe unseres Capsule Hotels ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Okonomiyaki-Essen ausklingen. Verschiedene Varianten – unter anderem mit Mochi und Käse oder Avocado – wurden auf den heißen Platten am Tisch zubereitet und geteilt. Nach dem langen Tag war das nicht nur ausgesprochen lecker, sondern auch ein schöner gemeinsamer Abschluss.
So verband dieser Tag auf etwas ungeplante Weise sehr unterschiedliche Seiten unserer Reise: japanische Architekturgeschichte und traditionelle Handwerkskultur, digitale Probleme im Hintergrund – und schließlich ein geselliger Abend bei gutem Essen mitten in Nagoya.
04.05 Donnerstag – Kyoto + Nagoya
Der zweite Tag in Kyoto verlief anders als geplant. Während sich ein Teil der Gruppe auf den Weg machte, Kyoto weiter zu erkunden und den Tag in der Stadt zu verbringen, führte mich der Weg gemeinsam mit einem Teilnehmer zunächst ins Krankenhaus. Eine Situation, die so natürlich nicht auf unserem Reiseplan gestanden hatte und einen großen Teil des Tages in Anspruch nahm.
Für die übrige Gruppe blieb dadurch Zeit, Kyoto noch einmal auf eigene Faust zu entdecken – vielleicht war gerade das nach den vielen gemeinsamen Programmpunkten der vergangenen Tage auch einmal ganz angenehm.
Am Abend kamen wir wieder zusammen und machten uns auf den Weg zur nächsten Station unserer Reise: Nagoya.
Dort wartete eine weitere typisch japanische Erfahrung auf uns. Zum ersten Mal auf dieser Reise übernachteten wir in einem Capsule Hotel. Was zunächst nach einer eher zweckmäßigen und vor allem platzsparenden Form der Übernachtung klingt, erwies sich als ausgesprochen angenehm. Das Capsule Hotel war sehr schön gestaltet, gepflegt und durchdacht – und die einzelnen Schlafkapseln vermittelten trotz ihrer geringen Größe erstaunlich viel Ruhe und Rückzugsmöglichkeit.
Nach einem Tag, der für uns sehr unterschiedlich verlaufen war, endete er damit doch noch mit einer besonderen gemeinsamen Erfahrung. Und wieder zeigte sich, dass auf dieser Reise nicht nur die geplanten Besichtigungen und Programmpunkte in Erinnerung bleiben, sondern ebenso die ungeplanten Situationen und die ganz alltäglichen Erfahrungen unterwegs.
Nächster Halt: Nagoya.
03.05 Mittwoch – Kyoto
Nach Osaka war Kyoto ein wunderbarer Kontrast. Schon die Ankunft am Abend fühlte sich anders an – und spätestens mit den japanischen Schlafkimonos im Hotel waren wir irgendwie in Kyoto angekommen. 🙂
Der nächste Morgen begann mit einem traditionellen japanischen Frühstück: viele kleine Schalen und Teller, ungewohnte Geschmäcker – und ausgesprochen lecker.

Danach ging es durch den berühmten Nishiki-Markt. Die schmale, lebendige Marktstraße mit ihren kleinen Geschäften, Lebensmitteln, Süßigkeiten und Spezialitäten war ein schöner Einstieg in die Stadt – überall gab es etwas zu schauen und zu entdecken.
Mit dem Kinkaku-ji, dem Goldenen Pavillon, folgte eines dieser Bilder, die man schon lange kennt und dann plötzlich tatsächlich vor sich sieht. Gold, Wasser, Garten und die Spiegelung des Gebäudes – beeindruckend.
Weiter ging es zum Kaiserpalast und damit noch einmal tief hinein in die Geschichte Kyotos. Überhaupt war es faszinierend, diese historische Stadt zu erleben und zu sehen, wie selbstverständlich Tradition und heutiger Alltag nebeneinander existieren.
Am späten Nachmittag gehörte eine traditionelle Teezeremonie zu unserem Programm. Nach einem langen Tag war das ein wunderbar ruhiger Moment: Matcha, genau ausgeführte Handgriffe und die große Aufmerksamkeit für jedes Detail.
Im Raum hing ein Schriftzug, dessen Gedanke mir besonders in Erinnerung geblieben ist: 一期一会 – ichigo ichie. Sinngemäß bedeutet er, dass eine Begegnung, so wie sie in diesem Augenblick stattfindet, einmalig ist und sich niemals genauso wiederholen wird. Ein schöner Gedanke für eine Teezeremonie – und eigentlich auch für eine solche gemeinsame Reise.

Und dann natürlich Fushimi Inari: die scheinbar endlosen Reihen der roten Torii, durch die sich der Weg den Berg hinaufzieht. Ein faszinierendes räumliches Erlebnis aus Wiederholung, Licht, Schatten und immer neuen Perspektiven.





Nach dem modernen und lebhaften Osaka zeigte Kyoto eine ganz andere Seite Japans – historisch, atmosphärisch und voller besonderer Eindrücke. Ein sehr schöner Tag in einer wirklich bemerkenswerten Stadt.
02.05 Dienstag – Osaka Kyoto
Der Abschied von Osaka begann nicht sofort mit der Weiterreise. Bevor es am späten Nachmittag nach Kyoto ging, nutzten wir den Vormittag noch einmal für einen Streifzug durch die Stadt – diesmal entlang der großen Markenhäuser rund um Shinsaibashi und die Midosuji.
Dabei ging es uns weniger um die Marken selbst als um die Architektur und Gestaltung ihrer Häuser. Prada, Cartier, Apple, Louis Vuitton und andere internationale Labels nutzen ihre Gebäude hier als weithin sichtbare architektonische Statements. Fassaden, Materialien, Licht, Innenräume und die Inszenierung der Marken werden zu einem Teil des Stadtraums. Gerade für uns war es spannend, diese sehr unterschiedlichen Konzepte nicht nur von außen, sondern – soweit möglich – auch von innen anzusehen.
Besonders eindrucksvoll war die Louis Vuitton Maison Osaka Midosuji. Das Gebäude entstand in Zusammenarbeit von Jun Aoki und Peter Marino und nimmt mit seiner beinahe segelartigen Fassade Bezug auf Osaka als historische Hafenstadt.
Und dann kam eine jener ungeplanten Entdeckungen, die auf Reisen besonders schön sind: Im fünften Obergeschoss befand sich der Espace Louis Vuitton Osaka – und dort wurde gerade eine Ausstellung mit Werken von Alberto Giacometti gezeigt. Sieben seiner charakteristischen Skulpturen aus der Sammlung der Fondation Louis Vuitton waren hier zu sehen. Damit wurde aus dem ursprünglich architektonisch motivierten Besuch ganz nebenbei auch noch ein Ausstellungsbesuch.
Nach diesem letzten Streifzug durch Osaka machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Gebäude, das unbedingt noch auf unserer Liste stand: Tadao Andos Church of the Light in Ibaraki.
Die kleine Kirche liegt abseits der großen touristischen Wege in einem gewöhnlichen Wohngebiet. Gerade dieser Kontrast macht die Annäherung interessant: Nach den spektakulären Fassaden und luxuriösen Innenräumen der Midosuji steht man plötzlich vor einem zurückhaltenden Bau aus Sichtbeton.
Das Innere konnten wir leider nicht mehr besichtigen. Noch immer waren Auswirkungen der Pandemie spürbar und der Zugang für Besucherinnen und Besucher eingeschränkt. Dafür ergab sich eine kleine Begegnung, die uns in Erinnerung blieb: Eine Person vor Ort bemerkte offenbar unser Interesse an der Kirche und zeigte uns auf einem Foto, wie der Innenraum aussieht. So bekamen wir zumindest einen Eindruck von Andos berühmtem Lichtkreuz – jener kreuzförmigen Öffnung in der Betonwand, durch die das Tageslicht in den ansonsten reduzierten Kirchenraum fällt.
Es war nur eine kurze Begegnung, aber eine sehr freundliche Geste – und vielleicht gerade deshalb eine schöne Erinnerung an diesen Besuch.
Danach hieß es endgültig Abschied nehmen von Osaka. Das große Gepäck hatten wir, soweit die Erinnerung reicht, bereits voraus nach Kyoto schicken lassen – eine in Japan ausgesprochen praktische Möglichkeit, die das Reisen zwischen den Städten deutlich angenehmer machte.
Mit dem Zug ging es schließlich weiter nach Kyoto.
Nach einigen intensiven Tagen in Osaka begann damit der nächste Abschnitt unserer Reise – und zugleich der Wechsel in eine Stadt, die uns wieder mit einer ganz anderen Atmosphäre, Architektur und Geschichte begegnen sollte.
01.05 Montag – Osaka
Der Montag begann zunächst ganz praktisch: Für den nächsten Tag stand die Weiterreise nach Kyoto an, also mussten erst einmal die entsprechenden Zugtickets organisiert werden. Danach ging es wieder hinaus in die Stadt – zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit einigen sehr unterschiedlichen Zielen vor Augen.
Eine unserer ersten Stationen war PALETTE, ein Projekt von Kosuke Bando und nanometer architecture. Von außen zunächst ein eher kleines und zurückhaltendes Gebäude, zeigte sich beim Besuch schnell, dass hier nicht allein die Architektur interessant war.
Besichtigen konnten wir nur den unteren Bereich, wurden dort aber ausgesprochen herzlich empfangen. Besonders schön waren die vielen kleinen Dinge, die vor Ort entstanden waren: Gezeichnetes, Genähtes und andere selbst hergestellte Arbeiten konnten gekauft werden. Verschiedenes davon wanderte mit uns weiter und ist bis heute eine kleine, sehr persönliche Erinnerung an diesen Besuch.
In Erinnerung geblieben ist auch eine Begegnung zwischen einer Studentin unserer Gruppe und einer der Frauen vor Ort. Das Gespräch und die sichtbare Freude darüber machten den Aufenthalt zu mehr als einem kurzen Architekturtermin. Für einen Moment rückte das Gebäude selbst in den Hintergrund und das Leben darin in den Vordergrund.
Danach führte der Weg weiter zu Tadao Andos Atelier in Oyodo. Fast unscheinbar sitzt der kleine Sichtbetonbau zwischen der alltäglichen Bebauung des Viertels. Gerade dieser unmittelbare Kontrast ist bemerkenswert: die für Ando so charakteristische Präzision des Betons, eingebettet in ein dichtes, gewachsenes Wohnumfeld.
Mit dem Sumiyoshi Taisha änderte sich die Atmosphäre anschließend vollständig. Besonders eindrücklich war die leuchtend rote, stark gewölbte Sorihashi-Brücke, auch Taikobashi genannt. Nach der zeitgenössischen Architektur zuvor begegneten uns hier traditionelle Bauformen, Wasser, alte Bäume und eine ganz andere räumliche Ordnung.
Zwischendurch blieb Zeit für eine kleine Pause – in Japan natürlich auch eine Gelegenheit, sich durch das Angebot an Süßigkeiten und Eis zu probieren.
Am späteren Nachmittag erreichten wir schließlich den Osaka Castle Park. Schon auf dem Weg durch das viele Grün tauchte das Osaka Castle immer wieder zwischen den Bäumen auf. Nach den kleinen Maßstäben des Tages war die Wirkung der weitläufigen Anlage mit ihren mächtigen Mauern, Wassergräben und der weithin sichtbaren Burg noch einmal eine völlig andere.
So führte dieser Tag durch sehr unterschiedliche Seiten Osakas: von einer kleinen Werkstatt und persönlichen Begegnungen über Andos Betonarchitektur und einen traditionsreichen Schrein bis zur großen historischen Burganlage.
Und nach all den Kilometern und Eindrücken durfte eines natürlich nicht fehlen: ein gemeinsames Abendessen in Osaka.
30.04 Sonntag – Osaka
Ein Sonntag zwischen Ando, Bibliothek und teamLab
30. April 2023
Der erste vollständige Tag in Osaka begann mit Architektur – und mit einem Gebäude, das von außen beinahe unscheinbar wirkt.
Azuma House – ganz klein und ganz Ando
Unser erstes Ziel war das Azuma House in Sumiyoshi, eines der frühen und bekanntesten Wohnhäuser von Tadao Ando. Eingefügt in eine schmale Häuserzeile, zeigt sich zur Straße lediglich eine geschlossene Betonfassade mit einem einzigen Eingang.
Gerade die geringe Größe macht das Haus interessant. Auf engstem Raum entwickelt Ando ein Wohnkonzept, bei dem ein offener Innenhof zum Mittelpunkt wird. Um von einem Teil des Hauses in den anderen zu gelangen, muss man diesen Außenraum durchqueren – und ist damit Wind, Regen, Licht und den Jahreszeiten unmittelbar ausgesetzt.
Das Gebäude konnten wir natürlich nur von außen betrachten. Trotzdem war es spannend, plötzlich vor einem Haus zu stehen, das man aus Architekturpublikationen kennt – mitten in einem ganz normalen Wohnviertel von Osaka.
Sayamaike Museum – Beton, Wasser und eine besondere Begegnung
Von einem der kleinsten Werke Andos ging es anschließend zu einer ganz anderen Dimension: zum Sayamaike Museumin Osakasayama.
Auch hier begegnet uns der für Tadao Ando charakteristische Sichtbeton, doch das Gebäude entwickelt eine vollkommen andere räumliche Wirkung. Wasser, große geometrische Formen, lange Wege sowie der Wechsel von Enge und Weite bestimmen die Annäherung. Besonders eindrucksvoll ist der Weg entlang der gewaltigen Wasserwand. Das Wasser ist dabei weit mehr als Kulisse: Man hört es, spürt seine Präsenz und bewegt sich durch eine Architektur, die bereits den Weg zum Bestandteil des Museumsbesuchs macht.
Im Inneren widmet sich das Museum der Geschichte des Sayamaike, eines der ältesten Bewässerungsreservoirs Japans. Historische Schichten und Konstruktionen des Damms werden zu großformatigen Exponaten und vermitteln eindrucksvoll, wie eng Landschaft, Wasserbau und menschliche Eingriffe über Jahrhunderte miteinander verbunden waren.
In besonderer Erinnerung blieb uns aber auch die Begegnung mit den Menschen im Museum. Mehrere ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dort tätig und begegneten uns mit einer außergewöhnlichen Freundlichkeit und Offenheit. Eine der Aufsichtspersonen nahm sich spontan viel Zeit für unsere Studierenden, führte sie durch Teile der Ausstellung und erzählte ausführlich über das Museum und seine Exponate.
Aus einem zunächst ganz normalen Museumsbesuch entstand so unerwartet eine sehr persönliche Begegnung. Zum Abschluss entstand sogar noch ein gemeinsames Foto mit unserer Gruppe – eine dieser kleinen, ungeplanten Situationen, die von einer Exkursion oft besonders lange in Erinnerung bleiben.
Eine Bibliothek wie ein Fels im Teich
Die nächste Station führte uns nach Matsubara zur öffentlichen Bibliothek von MARU.architecture. Der massive Baukörper steht unmittelbar am Wasser und wurde passend dazu als „Fels im Teich“ beschrieben.
Nach Andos streng inszenierten Betonräumen begegnete uns hier eine zeitgenössische Bibliothek als öffentlicher Ort. Besonders interessant war dabei nicht nur die äußere Erscheinung des Gebäudes, sondern die Frage, wie aus einer Bibliothek ein Raum zum Lesen, Lernen, Verweilen und Begegnen wird.
Vom gebauten zum digitalen Raum
Zurück in Osaka folgte am Abend ein bemerkenswerter Wechsel.
Bei teamLab bestand der Raum plötzlich nicht mehr vor allem aus Beton, Wänden und Öffnungen. Licht, Projektionen, Bewegung, Klang und digitale Bilder bestimmten die Wahrnehmung. Die Grenzen zwischen Raum und Bild schienen sich aufzulösen, und die eigene Bewegung wurde Teil des Erlebnisses.
Damit endete ein Tag, an dem wir innerhalb weniger Stunden sehr unterschiedliche Formen räumlicher Inszenierung erlebt hatten: ein winziges Wohnhaus, monumentale Museumsarchitektur, eine öffentliche Bibliothek und schließlich eine immersive digitale Welt.
Beim gemeinsamen Abendessen konnten die vielen Eindrücke des ersten vollständigen Exkursionstages schließlich erst einmal sacken. Und wo könnte ein solcher Tag besser enden als in Osaka – einer Stadt, die nicht zuletzt für ihre ausgezeichnete Küche und ihre ausgeprägte Esskultur bekannt ist.
Ein ziemlich intensiver Einstieg in Osaka.
29.04 Samstag – Ankunft in Osaka
Nach der langen Reise über Helsinki war es am 29. April 2023 endlich so weit: Gegen 12:10 Uhr landeten wir in Osaka.
Nach den vielen Stunden unterwegs hieß es zunächst ankommen, einreisen, Gepäck einsammeln und sich orientieren. Nach und nach wurde dabei klar: Jetzt waren wir tatsächlich in Japan.
Schon der Flughafen brachte die ersten kleinen Eindrücke mit sich – Schriftzeichen, Hinweisschilder, Automaten und vieles, was zunächst ungewohnt erschien. Nach der langen Anreise und mit entsprechend wenig Schlaf waren aber vermutlich alle vor allem eines: ziemlich müde.
Vom Flughafen ging es schließlich weiter nach Osaka und damit hinein in die Stadt, die den Ausgangspunkt unserer Exkursion bilden sollte.
Am Nachmittag änderte sich das Wetter. Es begann zu regnen – und zwar nicht zu knapp. Der Regen begleitete uns schließlich auch durch unseren ersten Abend in Japan.
Vielleicht nicht ganz das Wetter, das man sich für die ersten Schritte durch Osaka vorstellt. Aber irgendwie gehört gerade das heute genauso zur Erinnerung an unsere Ankunft: lange Reise, viele neue Eindrücke, ein ziemlich nasses Osaka – und endlich in Japan.