02.05 Dienstag – Osaka Kyoto

Der Abschied von Osaka begann nicht sofort mit der Weiterreise. Bevor es am späten Nachmittag nach Kyoto ging, nutzten wir den Vormittag noch einmal für einen Streifzug durch die Stadt – diesmal entlang der großen Markenhäuser rund um Shinsaibashi und die Midosuji.

Dabei ging es uns weniger um die Marken selbst als um die Architektur und Gestaltung ihrer Häuser. Prada, Cartier, Apple, Louis Vuitton und andere internationale Labels nutzen ihre Gebäude hier als weithin sichtbare architektonische Statements. Fassaden, Materialien, Licht, Innenräume und die Inszenierung der Marken werden zu einem Teil des Stadtraums. Gerade für uns war es spannend, diese sehr unterschiedlichen Konzepte nicht nur von außen, sondern – soweit möglich – auch von innen anzusehen.

Besonders eindrucksvoll war die Louis Vuitton Maison Osaka Midosuji. Das Gebäude entstand in Zusammenarbeit von Jun Aoki und Peter Marino und nimmt mit seiner beinahe segelartigen Fassade Bezug auf Osaka als historische Hafenstadt.

Und dann kam eine jener ungeplanten Entdeckungen, die auf Reisen besonders schön sind: Im fünften Obergeschoss befand sich der Espace Louis Vuitton Osaka – und dort wurde gerade eine Ausstellung mit Werken von Alberto Giacometti gezeigt. Sieben seiner charakteristischen Skulpturen aus der Sammlung der Fondation Louis Vuitton waren hier zu sehen. Damit wurde aus dem ursprünglich architektonisch motivierten Besuch ganz nebenbei auch noch ein Ausstellungsbesuch.

Nach diesem letzten Streifzug durch Osaka machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Gebäude, das unbedingt noch auf unserer Liste stand: Tadao Andos Church of the Light in Ibaraki.

Die kleine Kirche liegt abseits der großen touristischen Wege in einem gewöhnlichen Wohngebiet. Gerade dieser Kontrast macht die Annäherung interessant: Nach den spektakulären Fassaden und luxuriösen Innenräumen der Midosuji steht man plötzlich vor einem zurückhaltenden Bau aus Sichtbeton.

Das Innere konnten wir leider nicht mehr besichtigen. Noch immer waren Auswirkungen der Pandemie spürbar und der Zugang für Besucherinnen und Besucher eingeschränkt. Dafür ergab sich eine kleine Begegnung, die uns in Erinnerung blieb: Eine Person vor Ort bemerkte offenbar unser Interesse an der Kirche und zeigte uns auf einem Foto, wie der Innenraum aussieht. So bekamen wir zumindest einen Eindruck von Andos berühmtem Lichtkreuz – jener kreuzförmigen Öffnung in der Betonwand, durch die das Tageslicht in den ansonsten reduzierten Kirchenraum fällt.

Es war nur eine kurze Begegnung, aber eine sehr freundliche Geste – und vielleicht gerade deshalb eine schöne Erinnerung an diesen Besuch.

Danach hieß es endgültig Abschied nehmen von Osaka. Das große Gepäck hatten wir, soweit die Erinnerung reicht, bereits voraus nach Kyoto schicken lassen – eine in Japan ausgesprochen praktische Möglichkeit, die das Reisen zwischen den Städten deutlich angenehmer machte.

Mit dem Zug ging es schließlich weiter nach Kyoto.

Nach einigen intensiven Tagen in Osaka begann damit der nächste Abschnitt unserer Reise – und zugleich der Wechsel in eine Stadt, die uns wieder mit einer ganz anderen Atmosphäre, Architektur und Geschichte begegnen sollte.